Als der junge Graf am Tage nach diesem glücklichen Ereignis aufsteht, sieht er Schneider, Stoff- und Spitzenhändler usw. erscheinen, und er braucht nur zu wählen. Zwei Kammerdiener und drei Lakaien warten in seinem Vorzimmer, und zwar Leute, die der Botschafter unter den klügsten und ehrlichsten ausgewählt hat. Sie melden sich bei ihm zum Dienste. Der Botschafter zeigt dem jungen Grafen den Brief, den er soeben an dessen Vater geschrieben hat. Darin beglückwünscht er ihn zu einem Sohne, dessen Gesinnung und Eigenschaften seinem erlauchten Blut entsprechen, und meldet ihm seine baldige Heimkehr. Die junge Frau ist nicht vergessen. Er gesteht, daß er ihrer Hochherzigkeit die Unterwerfung seines Sohnes zum Teil danke, und zweifelt nicht, daß der Graf das Geschenk von 10000 Gulden gutheißen werde.

Diese Summe wurde der edlen, fesselnden Person noch am selben Tage zugestellt, und sie reiste alsbald ab. Auch die Zurüstungen zur Abreise des Grafen wurden getroffen. Eine prächtige Garderobe, ein ausgezeichneter Wagen wurden in Rotterdam auf ein Schiff verladen, das nach Frankreich in See ging und auf dem der Graf ebenfalls abfahren sollte, um sich von dort nach Spanien zu begeben. Bei seiner Abreise erhielt er eine erhebliche Geldsumme und beträchtliche Wechsel auf Paris. Rührend war der Abschied des Botschafters von dem jungen Herrn.

Voller Ungeduld erwartete der Botschafter die Antwort des Grafen Moncada und genoß dessen Freude, indem er sich an seine Stelle versetzte. Nach vier Monaten traf sie endlich ein. Aber umsonst wird man versuchen, die Überraschung des Botschafters zu schildern, als er folgendes las:

„Der Himmel hat mir nie die Genugtuung gewährt, Vater zu sein, lieber Marchese. Er hat mich mit Gütern und Ehren überhäuft, aber mir den Kummer bereitet, keine Erben zu haben und mein erlauchtes Geschlecht mit mir aussterben zu sehen, und so hat er mein Leben mit dem bittersten Gram erfüllt. Ich sehe zu meinem tiefsten Leidwesen, daß Sie durch einen jungen Abenteurer getäuscht worden sind, der die Kenntnis von unserer alten Freundschaft gemißbraucht hat. Aber Euer Exzellenz sollen nicht der Angeführte sein. Den Grafen Moncada haben Sie sich zu verbinden geglaubt; er hat die Pflicht, das zu begleichen, was Sie ihm in hochherziger Freundschaft vorgestreckt haben, um ihm ein Glück zu bereiten, das ihn aufs höchste erfreut hätte. Ich hoffe also, Herr Marchese, Sie werden ohne Widerstreben die beiliegende Summe von 3000 Louisdors laut ausgestellter Rechnung annehmen.“

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Die Art, wie der Graf Saint-Germain den jungen Abenteurer, seine Geliebte und den Botschafter reden ließ, brachte die Zuhörer abwechselnd zum Weinen und zum Lachen. Die Geschichte ist buchstäblich wahr, und der Abenteurer ist nach Aussage derer, die ihm zuhörten, geschickter als Guzman von Alfarache[166]. Madame hatte den Einfall, ein Lustspiel daraus zu machen, und der Graf schickte ihr die Geschichte schriftlich, so wie ich sie hier abgeschrieben habe.

III. Bericht Hellens[167]

Haag, 8. Januar 1760.

Wie ich höre, befindet sich in Paris ein Mann, dessen Auftreten wichtig genug scheint, um E. M. zu berichten, was ich davon erfahren konnte. Es ist eine Art Abenteurer, der unter dem Namen eines Grafen Saint-Germain in Deutschland und England gereist ist. Er spielt vorzüglich Violine, macht auch den Alchimisten und tritt überall groß auf. In Paris wohnt er bei einem englischen Bankier Selwin. Vielleicht haben E. M. von dem Manne schon gehört. Der angebliche Graf soll gegenwärtig am Versailler Hofe eine hervorragende Rolle spielen und sogar Zutritt zu den Privatgemächern des Königs von Frankreich und der Marquise (von Pompadour) haben. Wie man mir versichert, besuchen ihn alle Minister, um sich bei ihm einzuschmeicheln, nicht nur, weil er in hohem Maße die Gunst ihres Gebieters besitzt, sondern auch, um sich Rat bei ihm zu holen.

Was ihn in so hohe Gunst gebracht hat, ist schwer zu sagen, aber allem Anschein nach hat er der Favoritin und dem König weisgemacht, daß er ihnen das Geheimnis des Steins der Weisen zeigen würde. Die Geistesschwäche des Königs und seine bloße Neugier für alles, was mit den Naturwissenschaften zusammenhängt, dazu die Habsucht der Marquise, machen diese Annahme sehr wahrscheinlich. Übrigens soll er dem König von Frankreich bereits einige recht merkwürdige chemische Entdeckungen mitgeteilt haben, unter anderem ein Geheimmittel zur Herstellung dauerhafter Farben. Wie dem aber auch sei, der Mann spricht den französischen Ministern seine Meinung mit größtem Freimut aus. Er wiederholt ihnen oft, sie hätten die größte Torheit begangen, sich mit E. M. zu entzweien und in den Kontinentalkrieg einzugreifen[168]. Er rät ihnen, schleunigst Frieden zu machen. Er gibt sich überhaupt als großen Bewunderer E. M. aus. Als die beiden Niederlagen gegen Rußland[169] bekannt wurden, hat er immerfort vorausgesagt, was tatsächlich eingetreten ist, nämlich daß E. M. Mittel und Wege finden würden, den Schaden wieder gut zu machen, und daß man sehen würde, daß Ihre Feinde keinen Schritt weiter gekommen seien.