Darauf wurde in die Beratung eingetreten. Die Deputierten der verschiedenen Provinzen haben die erwähnte Denkschrift in Abschrift entgegengenommen, um sie in ihren Provinzen weiter mitzuteilen. Ferner wurde einstimmig beschlossen, die Abschrift der obigen Denkschrift dem Herrn Pieck van Soelen und anderen Mitgliedern der Generalstaaten, die zum auswärtigen Ausschuß gehören, zur weiteren Prüfung und Berichterstattung an die Versammlung zu übergeben[206].

IV
Aus den Aufzeichnungen des Grafen Bentinck[207]

Sonntag, 9. März 1760.

Saint-Germain erzählte mir, England würde dem Frieden keine Hindernisse in den Weg legen, Frankreich dagegen Schwierigkeiten bereiten. Der französische König und Frau von Pompadour, der ganze Hof sowie das gesamte Land verlangten leidenschaftlich nach Frieden. Der Herzog von Choiseul sei der einzige, der dies Bestreben zu vereiteln suche. Er habe seinen Einfluß gewonnen, als er am Wiener Hof weilte[208]. Alles Elend und Mißgeschick in Europa habe der Versailler Vertrag von 1756 verursacht. Durch eine geheime Klausel in demselben sei Flandern dem Infanten zugesichert, und dafür solle Schlesien nach seiner Eroberung der Königin von Ungarn abgetreten und übertragen werden[209]. Einen Weg aus dieser Verlegenheit gebe es: nämlich der Friedensschluß zwischen England und Frankreich. Das übliche System von Präliminarien, Kongressen und Konferenzen würde nur die Lösung unbegrenzt hinausschieben und zu einem neuen Kriege führen. Der bloße Gedanke lasse einen erschaudern. Sobald man nur einige annehmbare Vorschläge vorbrächte oder nur etliche aufrichtige und vertrauenswürdige Männer sich ins Mittel legten, würde seiner Ansicht nach der Friede zustande kommen, den England ebenso dringend gebrauche wie Frankreich. Der König und Frau von Pompadour verlangten sehnsüchtig nach Frieden, nicht minder der englische König. Ebenso wären der Herzog von Newcastle[210] und Lord Granville[211] dafür eingenommen. Pitt[212], der jetzt mit ihnen beiden gemeinsame Sache mache, hätte bisher stets seine Pläne durchkreuzt; aber er wäre dem Könige verhaßt.

Ein Schotte, namens Crammon, der in Paris lebe, habe ein Schreiben von Neufville in Amsterdam[213] erhalten, mit dem Auftrage, sich auf seinen Empfang vorzubereiten. Er bekam noch einen weiteren Brief über Brüssel aus London, und dieses letztere Schreiben enthielt Andeutungen über einen Sonderfrieden zwischen Frankreich und England. Diese Andeutungen kamen vom Herzog von Newcastle und Lord Granville. Frau von Pompadour habe ihn von dem Inhalt dieses Schreibens unterrichtet; sie sei hocherfreut gewesen und habe ihm aufgetragen, Choiseul davon in Kenntnis zu setzen. Nach anfänglicher Weigerung habe er, Saint-Germain, schließlich nachgegeben. Aber Choiseul verwerfe alles.

Dienstag, 11. März 1760.

Wie Saint-Germain mir sagte, hat er Frau von Pompadour mitgeteilt, was zwischen mir und ihm vorgefallen ist[214], ... und auch an den Minister in diesem Sinne geschrieben. Auf meine Frage, wie der Minister diese Nachricht aufnehmen werde, sagte er lächelnd, doch mit zuversichtlichem Blick, es werde sich in Versailles bald manches ändern, und er gab mir zu verstehen, daß es nicht in Choiseuls Macht liegen werde, den Frieden noch lange zu hintertreiben.

Freitag, 4. April 1760.

Der Ratspensionär Steyn erzählte mir, d’Affry hätte ihm mitgeteilt, daß die Weisungen Choiseuls, betreffend Saint-Germain, in der Hauptsache darauf hinausliefen, alles, was Saint-Germain für den Frieden getan hätte oder tun würde, zu desavouieren. Ferner sei er beauftragt, Saint-Germain davon zu unterrichten und die Drohung hinzuzufügen, bei weiterer Einmischung würde er bei seiner Rückkehr nach Frankreich eingekerkert[215] ...

An demselben Tage speiste Saint-Germain zusammen mit mir und erzählte mir, d’Affry habe ihm die Befehle mitgeteilt und Choiseuls Brief[216] gezeigt. Er hätte geantwortet, das werde ihn nie an der Rückkehr nach Frankreich hindern und diese Drohungen würden nie zur Ausführung gelangen; sie stammten lediglich von Choiseul. Ferner berichtete er, er hätte Yorke schon vor 17 Jahren als Kind kennen gelernt und die Familie Yorke wäre stets die Güte selbst zu ihm gewesen. D’Affry hätte ihm auch seine häufigen Besuche bei mir vorgehalten, aber er, Saint-Germain, hätte erklärt, daß er damit fortfahren würde. Dann habe d’Affry ihm Choiseuls Brief zusammen mit dem gezeigt, den er selbst an Frau von Pompadour geschrieben habe[217]. Dazu bemerkte Saint-Germain, nach seiner Überzeugung hätte Choiseul diesen der Frau von Pompadour gestohlen. Wiederholt hätte ihm d’Affry gesagt, Frankreich werde nie Vertrauen in mich setzen. Nach allem scheint es, als ob sich Saint-Germain aus den Weisungen, die d’Affry empfangen hat, wenig macht, und noch weniger aus Choiseul selbst.