Größere, doch unblutige Lorbeeren erntete er, als er sich als Geigenvirtuose vorstellte. In diese Zeit fällt wohl auch die Entstehung seines „Traktats über die Musik nach den Regeln des gesunden Menschenverstandes für die englischen Damen, die den wahren Geschmack in dieser Kunst lieben“[6].

Immerhin hören wir, daß das Andenken an seinen Londoner Aufenthalt bei den Engländern auch 1760 noch nicht erloschen war.

Das folgende Jahrzehnt liegt wieder im Dunkel. Während dieser Zeit unternahm der Graf zwei Reisen nach Indien. So wenigstens erzählt er in einem späteren Briefe aus dem Jahre 1773, den sein Freund, Graf Lamberg, uns überliefert hat. Aber nur über die zweite Reise erfahren wir einiges Nähere. Er will sie mit dem Admiral Watson und mit Robert Clive, dem berühmten Eroberer Ostindiens, im Jahre 1755 angetreten haben. Allein die Einzelheiten, die er meldet, sind so nichtig und albern, daß es schwer fällt, diesen Bericht ernst zu nehmen. Dabei soll keineswegs bestritten werden, daß er weite Reisen gemacht und auch den Orient besucht hat; denn wie wir von kritischen Ohrenzeugen vernehmen, wußte er anregend zu erzählen, und dies läßt voraussetzen, daß er selbst Land und Leute gesehen hat, die er so fesselnd zu schildern verstand.

Sein Aufenthalt in Frankreich

Wir kommen jetzt zu seinem Aufenthalt in Frankreich, der den Höhepunkt seines Lebens darstellt.

Wann Saint-Germain nach Frankreich gekommen ist, steht nicht fest. Nach den Aufzeichnungen Casanovas zu urteilen, mit dem sich seine Wege mehrfach kreuzten, ist er dort schon 1757 oder 1758 gelandet. In Chambord erscheint er 1758, während ihn der anonyme Verfasser der „Anecdotes[7] erst 1759 in Frankreich auftreten läßt.

Hier ging sein Stern auf. Er erlangte die Gunst der Marquise von Pompadour. Höchst anschaulich ist der Bericht ihrer Kammerfrau, Madame du Hausset, über seinen Verkehr am Hofe; denn durch die Marquise trat er auch in Beziehungen zu Ludwig XV., dem er vorgestellt wurde, an dessen Tafel er speiste und mit dem er alchimistische Studien trieb. Darin lag kluge Berechnung der Pompadour. Sann sie doch unablässig auf Mittel und Wege, wie sie dem der Geschäfte überdrüssigen Herrscher die Langeweile vertreiben könnte. Zu diesem Zwecke hatte sie ihm in Versailles ein intimes Theater eingerichtet, an dem sie und ihre Vertrauten mitwirkten. Dann, als sie selbst zu altern begann, hatte sie den berüchtigten Hirschpark geschaffen. Nun zog sie Saint-Germain heran, um alchimistischen Versuchen mit dem regierungsmüden König obzuliegen.

Die Stellung, die er bei Hofe genoß, der Ruf eines Alchimisten, der wie eine Aureole sein Haupt umschwebte, der Glanz seines Reichtums, über den fabelhafte Gerüchte umliefen, — all das kam zusammen, um ihm hohes Ansehen und auch politischen Einfluß zu verschaffen. Der Sturz des Generalkontrolleurs Silhouette, der die französischen Finanzen leitete, soll, so berichtet der preußische Gesandte von der Hellen[8], sein Werk gewesen sein.

Er fühlte sich ferner berufen, das wirtschaftliche Leben Frankreichs zu heben. Durch die Ausbeutung eines Geheimmittels für Farben und Farbstoffe, in dessen Besitz zu sein er vorgab, sollte dieser Plan ins Werk gesetzt werden. Es erregte daher in den weitesten Kreisen gewaltiges Aufsehen, als ihm der König für seine Arbeiten Räume in dem Schloß Chambord, dem einstigen Sitz des Marschalls von Sachsen, zur Verfügung stellte.

Ist es nach alledem verwunderlich, daß es diesem offenbaren Schoßkind Fortunas nicht an geheimen Gegnern und Neidern fehlte? Schon hatte sein Ansehen Einbuße erlitten, der Ruf seines unermeßlichen Reichtums war untergraben — so erfahren wir von einem Augenzeugen —, da lächelte ihm noch einmal das Glück: in geheimer Mission ward er im Auftrag des Hofes zu Anfang des Jahres 1760 nach Holland entsandt.