Freiberg, 8. April 1760.

Die Einzelheiten Ihres Berichtes vom 29. März waren sehr beachtenswert. Was den Grafen Saint-Germain und das Rundschreiben über ihn betrifft, das der Herzog von Choiseul an die Gesandten der Verbündeten Frankreichs im Haag erlassen hat, so muß sich jetzt bald herausstellen, ob der Graf Vollmacht hatte oder nicht. Im ersteren Falle ist es klar, daß der Staatssekretär über die wirkliche Denkweise und die wahren Absichten seines Hofes nicht genau Bescheid weiß. Wie dem aber auch sei, durch die Schritte des Grafen sind die Dinge zwischen Frankreich und England in Fluß gekommen, und wenn Frankreich ernstlich gewillt ist, die Partie abzubrechen und Frieden mit uns Alliierten zu schließen, so muß es sich jetzt England gegenüber bald erklären.

Hellen an König Friedrich

Haag, 22. April 1760.

Soviel steht fest: die Reden, die Graf Saint-Germain geführt hat, haben wenigstens die Wirkung gehabt, daß der Herzog von Choiseul der Friedensströmung im Versailler Kabinett nicht ganz hat widerstehen können. Unseres Wissens hat man ihm auch nicht die letzten Berichte des Grafen mitgeteilt. Wenigstens schien der Botschafter davon keine Kenntnis zu haben, aber der besagte Staatssekretär ist so in Wut auf den armen Teufel geraten, daß er den Grafen d’Affry beauftragt hat, seine Verhaftung und Auslieferung zu beantragen. Dieser hat auch schon tatsächlich mit den Vertretern der Republik darüber gesprochen. Als aber Graf Bentinck davon erfuhr, hat er Saint-Germain mit Wissen des Prinzen Ludwig[253] sofort davon benachrichtigt und ihm einen Paß vom General Yorke beschafft, damit er nach England fliehen kann[254]. Gekränkt, wie er ist, kann der Graf dort sehr gute Nachrichten über die jetzigen Finanzen Frankreichs geben, über die er genau Bescheid weiß.

Haag, 3. Mai 1760.

E. M. werden in der Leidener und Amsterdamer Zeitung den genauen Abdruck des Antrages finden, den Graf d’Affry am 30. April bei den Generalstaaten wegen der Auslieferung des Grafen Saint-Germain gestellt hat[255], obwohl er, wie er nicht abstreitet, schon wußte, daß dieser bereits vor einigen Tagen nach London abgereist ist. Die Hochmögenden haben diesen Antrag im Schoße von Kommissionen begraben[256], offenbar um ihn nicht zu beantworten.

VII
Aus der Korrespondenz von Knyphausen und Michell mit Friedrich dem Großen[257]

Knyphausen und Michell an König Friedrich

London, 1. April 1760.