Es befinde sich ein gewisser Fremder, der sich Comte Saint-Germain nennt, schon einige Zeit in Amsterdam, allwo er bei dem sehr reichen und geschickten Negocianten Hope[275], welcher dermalen die meiste französischen Geschäften in Amsterdam verrichtet und durch seinen Credit große Geldsummen dem französischen Hofe verschaffe, wohnhaft, seit den allhiesigen Heirats-Festivitäten[276] aber in dem Haag gegenwärtig seie, allwo er den Mr. Yorke besuche und seit kurzem mit ihm eine dreistündige Unterredung tête-à-tête gehabt habe[277], so daß er um so weniger zweifle, er müsse von dem französischen Hofe mit Friedensgeschäften beladen sein, als man wahrnehme, daß dessen allhiesige Anwesenheit den Herrn Graf d’Affry alarmiere und er sein Mißvergnügen hierüber nicht verbergen könne.

Ich trachtete, denselben (Prinz Ludwig) zu verleiten, sich gegen mich weiters zu eröffnen, was nämlich Herr Graf d’Affry dem Mr. Yorke beigebracht habe und in weme dann des Mr. le Comte de Saint-Germain obhabende Commissionen bestehen möchten.

Derselbe ließe sich aber weiter nicht heraus, als daß er eingestanden, Saint-Germain gebe aus, „daß er sich schmeichle, Frankreich durch seinen Aufenthalt in Holland zu retten“. Über die Unterredung des Herrn Graf d’Affry mit Mr. Yorke wollte er sich gar nicht eröffnen, sondern widersetzte mir, daß, weil ich ihm von dem Inhalt der Contra-Declaration nichts beibringen wolle, er mir auch von dem, was zwischen besagten zweien Ministres vorbei gehe, nichts mitteilen könne ...

Als der sogenannte Comte Saint-Germain aus Amsterdam allhier angelanget, so befragte den Herrn Graf d’Affry, ober von dessen Ankunft von seinem Hofe preveniret und ob ihm bekannt, daß er in Holland, wie es verlaute, mit einigen Commissionen beladen sei. Derselbe wollte weder von dem einen noch von dem andern etwas wissen, sondern brache den Discours ab, mit Vermelden, daß er allzeit vor ein espèce d’aventurier passiret habe.

Von solcher Zeit hat derselbe den Herrn Graf d’Affry besuchet, welchen mehrmalen in Compagnie bei ihm angetroffen. Vor 2 Tagen ist er wiederum nach Amsterdam zurückgekehret, solle aber, wie von Herrn Graf d’Affry selbst vernommen, inners ungefähr 8 Tagen wiederum allhier zurück eintreffen.

Man versicheret mich, daß man nicht eigentlich weiß, wer dieser sogenannte Comte Saint-Germain sei. Er redet fast alle europäische Sprachen in perfection, hat sich viele Zeit in Polen, Teutschland, Italien, Spanien, Engelland, Frankreich, auch vor diesem in Holland aufgehalten, allwo er unterschiedliche Namen geführet. Er ist in der Music und sonderbar in Spielung der Violine sehr erfahren, und scheinet aus seinem Umgang, daß er allerorten die große Welt frequentiret habe. Dermalen soll er aus Frankreich kommen, allwo der König ihm das Schloß Chambord, so ehevordem Mr. le maréchal Comte de Saxe[278] zugehöret, überlassen haben soll. Es fehlet ihm an der Leichtigkeit, sich zu explicieren, und an Geist nicht. Wann er aber mit Geschäften beladen, so gedeucht mich, daß er zu viel rede und seine Discours nicht genügsam nach den Reglen der Prudenz abmesse.

Haag, 25. März 1760.

Vorgestern hat Graf d’Affry wiederum einen Expressen, aber nur aus Brüssel von dem Mr. Lesseps[279] erhalten; wie er mir gestern gemeldet, hat derselbe ihm Depêchen von seinem Hofe mitgebracht, wodurch der Herr Duc de Choiseul ihm auftraget, dem sogenannten Comte de Saint-Germain, von welchem in meinem ehevorigen Berichtschreiben Meldung beschehen und [welcher] dermalen wiederum von Amsterdam in dem Haag angelanget ist, auf das schärfeste zu untersagen, sich nicht zu unterstehen, in die Politique sich einmischen zu wollen, widrigenfalls demselben sein Haus zu verbieten oder gar ihn arretieren zu lassen[280].

Haag, 28. März 1760.

Der Herr Graf d’Affry hat dem sogenannten Comte de Saint-Germain ernstlich untersaget, sich in Friedens- oder politische Geschäften einigermaßen einzumischen, mit Bedrohen, daß er widrigenfalles ihn gar nicht mehr sehen werde.