Haag, 22. April 1760.

In meinem letztern Berichtschreiben habe Ew. Excellenz zu melden die Ehre gehabt, daß der sogenannte Graf Saint-Germain von hier abgereiset, ohne daß bekannt ist, wohin er sich begeben habe. Ich bin aber gleich hinnach ganz sicher informiret worden, daß er so gähling und unvermutet dieses Land verlassen habe, weil Herr Graf d’Affry durch den Courier, wovon in meinen letztern zwei Berichtschreiben Meldung getan, von seinem Hofe Befehl erhalten, das Ansuchen allhier zu machen, daß er arretiret und an Frankreich ausgeliefert werde, wovon, als Herr Graf d’Affry, wiewohl ganz in geheime, dessentwegen einige passus gemacht, derselbe benachrichtiget worden und sich alsdann sogleich aus dem Staube gemachet hat. Man weiß zwar noch nicht positive, wohin er sich verfüget; es wird aber durchaus dafür gehalten, daß er nach Engelland abgegangen sei. Hierbei hat sich noch dieser notable Umstand ergeben, daß Herr Graf von Bentinck ihn vor seiner Abreise nachts um 9 Uhr besucht und bei demselben bis nach Mitternacht verblieben sein soll, worauf Graf Saint-Germain gegen anbrechendem Tage in einer mit 4 Pferden bespannten Kutsche abgereiset ist. Man will sogar behaupten, daß ein Bedienter des Herrn Grafen von Bentinck die Pferde und Wagen zu solcher Abreise veranstaltet habe[289].

Herr Graf d’Affry hat mir vor zwei Tagen von der empfangenen Ordre, den Saint-Germain allhier arretieren zu lassen und daß er dessentwegen in der Stille einige passus gemacht, Kenntniß erteilet, mit dem Beisatz, daß er den dessentwegen erhaltenen Courier wiederum zurückgesendet und sich bei seinem Hofe angefraget habe, ob er die Ursachen, warum Saint-Germain habe sollen arretiret werden, allhier kundmachen solle oder nicht.

Haag, 25. April 1760.

Man prätendiret, nunmehro sichere Nachricht zu haben, daß der sogenannte Comte de Saint-Germain von hier gerad nach Hellevoetsluis abgegangen und den 20. dieses mit dem Paquetbot nach Engelland abgefahren sei.

Von sicherer Hand vernehme, daß derselbe von hier aus ein Schreiben an Madame la marquise de Pompadour erlassen, in welchem er unter anderm den Nutzen und die Notwendigkeit vorstellt, den allhiesigen Graf von Bentinck von Seiten Frankreich wegen seinem guten Willen, dieser Krone bei gegenwärtigen Umständen nützliche Dienste zu leisten, und wegen von ihm allhier und bei dem engelländischen Ministerio besitzenden besonderen Credit nicht nur allein sehr zu menagiren, sondern auf alle Weise zu cultivieren[290]. Welches Schreiben aber von dem französischen Hofe an Herrn Graf d’Affry communiciret worden.

Aus allem, was mir zu Ohren kommet, muß ich urteilen, daß Herr Graf Bentinck sehr suchet, sich in künftiges Friedensgeschäft einmischen zu können. Es ist auch gewiß, daß Comte Saint-Germain während seines allhiesigen Aufenthalts sehr vielen Umgang mit ihm gepflogen und deswegen aller Anschein vorhanden ist, daß er mit seinem Wissen und vielleicht aus seinem Rat nach Engelland abgegangen, er auch suchen wird, ihn allda zu protegieren.

Haag, 2. Mai 1760.

Herr Graf d’Affry hat vorgestern bei den Generalstaaten abschriftlich anliegendes Mémoire[291] überreichet, wodurch er das Ansuchen tuet, daß der bekannte Comte de Saint-Germain angehalten, ausgelieferet und gefänglich nach Antwerpen geführet werde. Da nun derselbe, jedermann bekanntermaßen, schon vor mehr als 14 Tagen sich von hier hinweg begeben und von Hellevoetsluis nach Engelland abgegangen ist, so scheinet nicht möglich zu sein, daß die Absicht des französischen Hofes auf dessen Anhaltung zähle, sondern etwa dahin gehen möchte, das Publicum dardurch zu belehren, daß demselben, wo er sich befinden möchte, kein Glauben und noch viel weniger einiges Vertrauen beigemessen werde, maßen Herrn Graf d’Affry nicht unbekannt sein kann, daß er sich allhier verlauten lassen, daß, wann der französische Hof ihm wegen jenem, was mit ihm allhier vorgefallen, nicht Satisfaction geben werde, er sich im Stand befinde, Sachen von demselben an Tage zu legen, welche ihn vollkommen rechtfertigen, demselben aber ungemein nachteilig sein werden.

Was die Generalstaaten über obiges Mémoire entschlossen, ist mir noch nicht bekannt. Und da der widrige Wind noch immer anhaltet, so können keine engelländischen Nachrichten hier ankommen, wodurch man etwa vernehmen könnte, wie derselbe in Engelland angesehen werde oder wie er sich allda betrage.