Beilage zum Bericht Reischachs vom 13. Mai 1760
(Mitteilung eines englischen Correspondenten)
(London, Mai 1760.)
Die Denkschrift des Herrn Grafen d’Affry über den Grafen Saint-Germain[292], die Sie mir gütigst zugesandt haben, steht auch in den französischen Zeitungen. Allerdings lohnt es sich nicht, wie Sie sehr richtig bemerken, so viel Lärm über diese Sache zu schlagen. Man erweist diesem Abenteurer zu viel Ehre, wenn man viel Wesens von ihm macht. Der hiesige Hof glaubte, den Kundgebungen des Mißtrauens, die der französische Hof gegen diesen Mann in Szene gesetzt hat, nicht trauen zu dürfen; denn er verdient nur Verachtung. Sie hat ihn bei seiner Ankunft mit dem Paketboot sofort in polizeilichen Gewahrsam genommen und ihn erst außer Augen gelassen, als er wieder an Bord gebracht wurde, um über das Meer zurückzukehren. Ein scherzhaftes Abenteuer!
Haag, 16. Mai 1760.
Der sogenannte Mr. le Comte de Saint-Germain ist den 11. dieses mit dem Paquetbot aus Engelland zu Hellevoetsluis angelanget und hat sogleich seine Reise über Rotterdam nach Teutschland und, wie hier ausgegeben wird, nach Berlin fortgesetzet. Mehrere allhier halten dafür, daß das engelländische Ministerium denselben aus Attention vor Frankreich sogleich aus Engelland weggeschaffet habe, aus welchem sie inferiren, daß diese Kron sehr geneigt sei oder Hoffnung habe, mit Frankreich den Frieden in Bälde zu schließen.
Haag, 13. Juni 1760.
Wo der bekannte sogenannte Graf von Saint-Germain sich dermalen befinde, ist allhier nicht bekannt; es wird aber von mehreren öffentlich versicheret, daß derselbe schon von geraumer Zeit her einen Espion vor den König in Preußen gemachet habe, dergleichen derselbe an allen Höfen haben und solche reichlich bezahlen solle.
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Aus Kauderbachs Korrespondenz[293]
Kauderbach an Graf Wackerbarth-Salmour