Ihre Gesandten werden in Breda[313] wohl mehr erfahren, als ich weiß. Der Herzog von Choiseul, Graf Kaunitz und Herr Pitt verraten mir ihr Geheimnis nicht. Bekannt soll es nur einem Herrn von Saint-Germain sein, der einst in der Stadt Trient mit den Vätern des Konzils gespeist hat und wahrscheinlich die Ehre haben wird, E. M. in etwa fünfzig Jahren zu besuchen. Der Mann ist unsterblich und allwissend.
König Friedrich an Voltaire
Meißen, 1. Mai 1760.
Ein Kongreß in Breda wird nicht stattfinden, und ich lege die Waffen erst nach drei weiteren Feldzügen nieder. Das Pack soll sehen, daß es mein Entgegenkommen gemißbraucht hat, und der König von England wird den Frieden nur in Paris und ich ihn in Wien unterzeichnen ... Der Graf von Saint-Germain ist nur ein Ammenmärchen[314].
XII
Aus der „Geschichte des Siebenjährigen Krieges“ von Friedrich dem Großen[315]
Der König sandte einen Unterhändler nach Frankreich, der die Absichten des Versailler Hofes sondieren und ihm, sowie dem König von England Bericht erstatten sollte. Die Wahl fiel auf einen jungen Edelsheim[316] ... Er wurde in Paris leidlich aufgenommen. Man bedeutete ihm in unbestimmten Ausdrücken, daß die Erledigung seines Auftrages von der mehr oder minder schnellen Beilegung der Streitpunkte zwischen England und Frankreich abhängen würde. Man habe jedoch gehört, der König von Preußen gedenke, den König von Polen auf Kosten zahlreicher deutscher Kirchenfürsten zu entschädigen[317], die er säkularisieren wolle. Das aber könne der Allerchristlichste König nie und nimmer zugeben. Edelsheim brachte dem König den Bescheid nach Freiberg und reiste dann nach London, um ihn den großbritannischen Ministern zu übermitteln.
Zugleich mit Edelsheim tauchte in London ein anderer Politiker auf, eine rätselhafte Erscheinung, über deren Wesen man nie ins klare gekommen ist. Er nannte sich Graf Saint-Germain, hatte in französischen Diensten gestanden und sich bei Ludwig XV. so in Gunst gesetzt, daß der König ihm das Schloß Chambord schenken wollte. Nun spielte er die Rolle eines Gesandten, befaßte sich ohne Vollmacht mit Unterhandlungen und äußerte sich zugleich in beleidigender Weise über Frau von Pompadour und den Herzog von Choiseul. Die Engländer behandelten ihn als Abenteurer und wiesen ihn aus.
Ob nun aber das englische Ministerium Saint-Germain nicht traute oder infolge seiner Eroberungen die Hoffnungen höher schraubte, oder ob es gar mit der Erklärung des Versailler Ministeriums über den Kongreß[318] unzufrieden war, kurz, das Ministerium beauftragte den englischen Vertreter im Haag, Yorke, mit der Mitteilung an den französischen Gesandten d’Affry, der König von Großbritannien wäre zum Frieden geneigt und böte seine Hand zur Abhaltung eines Sonderkongresses, falls Frankreich die ungeschmälerte Erhaltung Preußens zur Grundlage der Präliminarien mache. Frankreich antwortete, es wünsche zwar nichts sehnlicher als die Beilegung seiner Streitigkeiten mit England. Da es aber mit Preußen gar nicht im Kriege liege, so könne es über die Interessen des Königs von Preußen nicht zugleich mit denen Seiner Britischen Majestät verhandeln. Mit dieser Antwort schwand die ohnedies schwache Hoffnung, die man auf die ganze Verhandlung gesetzt hatte.
XIII
Aus: „The London Chronicle“[319]
Freitag, 2. Mai 1760.