Wie wir erfahren, hat der berühmte Graf Saint-Germain, der vor kurzem hier war, sich in Altona niedergelassen.

XIV
Graf Danneskjold-Laurwigen[324] an Saint-Germain

Kopenhagen, 3. April 1760.

Gern hätte ich den brieflichen Verkehr mit Ihnen fortgesetzt, solange ich nicht das Glück habe, Sie zu sehen. Aber ich kenne leider Ihre Adresse nicht, und ich wagte Sie nicht zu stören, bis der Kammerherr Baron von Gleichen[325] mir versicherte, daß Sie mich mit Ihrem Angedenken beehrten. Nehmen Sie dies als Zeichen meiner Dankbarkeit und meiner Freude an, von neuem Gelegenheit gefunden zu haben, Ihnen für all die Güte und Freundschaft zu danken, womit Sie mich in England beehrt haben. Den Degen, den Sie mir geschenkt, und die Briefe, die Sie mir geschrieben haben, habe ich als einen Besitz bewahrt, der zu kostbar ist, um mich je davon zu trennen, aber die Ehre, daß Sie meiner gedenken, ist zu tief in mein Herz geschrieben, als daß ich diese Gelegenheit nicht benutzte, um Sie der tiefen Achtung zu versichern, die ich Ihrem teuren Selbst schulde. Bitte, geben Sie mir Nachricht von sich und Ihren Wünschen, falls ich Ihnen hierzulande irgendwie dienlich sein kann. Und glauben Sie mir, ich bin so erfreut, meinen Freund wiederzufinden (gestatten Sie mir diesen Ausdruck), daß ich nicht weiß, wie ich Ihnen all meine Dankbarkeit ausdrücken soll. Bitte nehmen Sie diesen Brief freundlich auf und glauben Sie mir, ich kann mit ehrlicher Freude versichern, daß ich bin und zeitlebens sein werde Ihr usw.

GRAF SAINT-GERMAIN IN HOLLAND (1762)

I
Aus dem Schriftwechsel des Herzogs von Choiseul[326]

Graf d’Affry an Choiseul

Haag, 23. März 1762.

Der sogenannte Graf Saint-Germain, der vor zwei Jahren mit der angeblichen Vollmacht zum Abschluß eines Friedens zwischen uns und England hierher kam und dessen Auslieferung als Betrüger zu beantragen ich Befehl erhielt[327], hat sich seitdem in den Provinzen der Republik und in deren Nachbarschaft unter fremdem Namen heimlich herumgetrieben. Doch erfuhr ich in den letzten Tagen, daß er unter dem Namen eines Amsterdamer Kaufmanns Noblet ein Gut in Geldern namens Ubbergen vom Grafen von Welderen gekauft und dafür noch nicht mehr als ungefähr 30000 Franken in französischer Währung gezahlt hat. Ich hielt es für meine Pflicht, Sie davon zu benachrichtigen und zu fragen, ob Seine Majestät wünscht, daß ich gegen diesen Mann durch eine neue Eingabe bei den Generalstaaten vorgehen oder ob ich ihn lieber laufen lassen soll, da ja der Hauptzweck meines Einschreitens erreicht ist; denn ich habe ihn derart in Mißkredit gebracht, daß er sich seitdem nicht mehr hervorwagt und sein Leben dadurch zu fristen suchen muß, daß er mit Hilfe seiner chemischen Geheimmittel Gimpel fängt.

Choiseul an Graf d’Affry