Versailles, 10. April 1762.
Wir haben den sogenannten Grafen Saint-Germain für die Unverschämtheit und Betrügerei seines Unterfangens bestraft und müssen es diesem Abenteurer überlassen, sich selbst vollends in den Mißkredit zu bringen, in den wir ihn schon versetzt haben.
II
Aus den Aufzeichnungen Hardenbroeks[328]
20. März 1762.
Der sogenannte Graf Saint-Germain wohnt jetzt auf Ubbergen bei Nimwegen. Er besitzt noch eine Art Rittergut in der Nähe von Zutphen. Er hat ein großes Laboratorium in seinem Hause, in dem er tagelang sitzt. Er versteht die schönsten Farben allen nur denkbaren Dingen, wie Leder usw., zu geben, ist ein großer Philosoph und Kenner der Natur. Er spricht sehr schön, erscheint tugendsam, sieht wie ein geborener Spanier von erlauchter Abstammung aus, spricht von seiner verstorbenen Frau Mutter mit großer Ehrerbietung. Manchmal unterschreibt er sich: „Prinz von Spanien“[329]. Er ist stolz.
Er will die Fabriken der Republik fördern, doch ohne die eine oder andere Stadt der Provinz vor den übrigen zu bevorzugen. Amsterdam hatte ihm nämlich für die Erlangung ausschließlicher Vorrechte besondere Vorteile angeboten. Viele Dienste hat er dem Grafen Gronsfeld[330] durch Herstellung und Lieferung von Farben für seine Porzellanfabrik bei Weesp geleistet. Mit Herrn van Rhoon[331] steht er sehr gut, spricht und korrespondiert immer mit ihm. Er führt auch eine außerordentliche ausländische Korrespondenz, ist an allen Höfen bekannt. Von dem verstorbenen Prinzen von Wales[332], der einen schlechten Charakter hatte, wurde er sehr schlecht behandelt. Da aber Saint-Germain unschuldig war, ist ihm bei seiner Freilassung volle Genugtuung gegeben worden[333]. Mit den ersten Leuten in Frankreich hat er in Briefwechsel gestanden, und er spricht viel Gutes von Frau Pompadour usw.
Er ist sehr oft in Amsterdam, kommt viel zu G. Hasselaar[334]. Er besitzt ungewöhnlich schöne Steine, Rubine, Saphire, Smaragden und Diamanten. Man sagt, daß er die Kunst verstände, Diamanten helleres Wasser zu geben und Edelsteine zu verschönern usw. Er ist sehr freigebig, besitzt große Güter in der Pfalz und sonst in Deutschland. In Amsterdam wohnt er einmal im Hotel der vornehmen Welt, dann wieder wo anders und bezahlt überall gut.
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Später, im August 1762, ist er von Amsterdam fortgezogen. Er hat Kleider, Spitzen, ja selbst Geld von dem Perückenmacher Chaudon geliehen, das er ihm binnen acht Tagen zurückzahlen sollte. Er hat ihn jedoch brieflich um weitere acht Tage Aufschub gebeten.
Er hat überdies eine Wohnung in Chambord in Frankreich gehabt[335]. Dort soll er sich geäußert haben, daß er die Tochter eines gewissen Lambert[336] heiraten wolle. Dadurch sind diese Menschen ruiniert worden.