Man sprach schon seit geraumer Zeit meist platt.
"Wo hest Din Matrosenklaveer?" hieß es, und Wilhelm mußte seine
Handharmonika holen. Es sollte getanzt werden. Man rückte Tische und
Stühle zusammen und rollte den Teppich auf.
Wilhelm setzte sich hinter dem Tisch in die linke Sofaecke und begann den Spreewalzer zu spielen.
Das Brautpaar eröffnete den Familienball. Onkel Martin tanzte mit Frau Jürgens, und Tetje zerrte die sich sträubende Tante Tille einmal durchs Zimmer. Hermann tanzte abwechselnd mit seiner Tante und Frau Jürgens. Therese aber stand, an den Thürpfosten gelehnt, und sah, das Taschentuch, des Staubes wegen, vor den Mund pressend, mit müde flackernden Blicken und brennenden Backen zu. Sie fühlte sich sehr elend, klagte aber nicht, um die Fröhlichkeit nicht zu stören. Ihr Kopf schmerzte heftig, ebenso die Brust, infolge des anhaltenden Hustens, zu dem sie das viele Sprechen, der Staub und Tabaksqualm in den kleinen Räumen reizten.
Sie sehnte das Ende der Festlichkeit herbei, mußte sich aber noch vorher, von Abspannung überwältigt, zurückziehen.
Es war schon zwei Uhr nachts, als sich endlich auch die Tante zur Ruhe legte, beim Auskleiden die Leidende mit punschseliger Geschwätzigkeit quälend.
XXI.
Der alte Behn war gleich nach dem Horner Rennen ins Bad gereist. Er pflegte alle zwei Jahre nach Karlsbad zu gehen. Aber als starker Esser stellte er den Erfolg seiner Kur gewöhnlich schon in den ersten Wochen nach seiner Rückkehr auf eine Probe, die dieser nie bestand.
Die ganze Familie hatte ihm, wie immer, das Geleit an den Bahnhof gegeben.
Lulu, die in tausend Sorgen war, hatte das Gefühl, als wäre ein Aufpasser weniger im Hause. Sie atmete einen Tag lang auf. Schalt sich aber schon am nächsten thöricht. Wie lange konnte sie es denn noch verbergen? Ueber kurz oder lang mußte es zu Tage kommen, selbst wenn die Mutter blind wäre.