Wilhelm wich ihr gänzlich aus. Vergebens hatte sie eine Annäherung versucht, ihm auf der Straße aufgepaßt. Aber er hatte es ja so leicht, sie von seinem Bock aus zu übersehen, sie, schneller fahrend, hinter sich zu lassen.
Wollte er sich von ihr zurückziehen? Hatte er nur sein Spiel mit ihr getrieben?
Ihr schwindelte bei dem Gedanken.
Aber er sollte nicht glauben, sie wie jede andere Lise behandeln zu können.
Aber ihr Trotz, ihre Kampfstimmung hielt nicht lange vor. Sie war keine
Heldin. Sie war nur stark im passiven Widerstand, im stumpfen
Uebersichergehenlassen.
Nach den kurzen Augenblicken auflodernden Trotzes bemächtigte sich ihrer eine um so tiefere Niedergeschlagenheit.
Auf die Dauer konnte der Mutter Lulus verändertes Wesen nicht entgehen, die Ursache ihrer wechselnden Stimmung, ihres wechselnden Wohlbefindens nicht verborgen bleiben.
Sie hatte schon Verdacht, als sie sich noch immer schweigend, beobachtend verhielt.
Lulu, mit der Feinfühligkeit des schlechten Gewissens, merkte es der
Mutter wohl an, daß diese sie erraten hatte.
Sollte sie ihr zuvorkommen, ihr alles gestehen?