Er griff nach dem breiten, tintenbefleckten Lineal und legte es auf einen andern Platz, ordnete mechanisch allerlei auf dem Schreibtisch, den Tintenwischer, die Sandbüchse, tastete an sich herum, als suche er etwas in seinen Brusttaschen und folgte endlich tief aufatmend der geduldigen Frau.

"Ne, hier Johannes", dirigierte sie ihren Mann, der in das unrechte
Zimmer eintreten wollte.

Paula, die man aus der Schule zu Hause behalten hatte, erhaschte, wie die Eltern die beste Stube betraten, mit flüchtigem Blick einen Teil des Sarges, in dem man Lulu soeben gebettet.

Sie beugte sich nachher zum Schlüsselloch hinunter, sah aber nichts, als den breiten Rücken des Vaters.

Ihre Gedanken waren in großer Erregung. Lulu tot. Unfaßbar schien es ihr.

Es war das erste Mal, daß der Tod Paula so nahe trat.

Der Schmerz der Eltern hatte auch dem Kinde vorhin Thränen abgepreßt.
Seine Augen waren noch rot und heiß vom Weinen, eine trockene, stechende
Hitze in den Lidern.

Jetzt, nach dem ersten Gefühlsausbruch, kam auch die Neugier zu ihrem
Recht.

Paula hätte gar zu gerne die Schwester im Sarg gesehen, aber die Mutter wollte es nicht leiden.

Wenn der Vater sich doch nur mal rühren wollte, dachte sie, am Schlüsselloch lauernd. Wie man nur so lange auf einem Fleck stehen konnte.