Zu den achtzehnjährigen Backfischen allerdings paßte sie nicht mehr. Aber um schon auf alle Lebensfreuden zu verzichten, sich zum alten Eisen zu rechnen, war es doch noch zu früh.

Freilich, eine alleinstehende Witwe in ihren Jahren muß sich schon zufrieden geben. Man muß froh sein, wenn man nur im Stillsitzen seinen guten Ruf wahrt. Dem Klatsch entgeht man nimmer.

Was war das doch für ein Gerede damals gewesen, mit dem hübschen Reisenden von Rosinsky und Söhne. Weil sie höflich gegen Herrn Bellermann war, sollte sie natürlich Heiratsabsichten haben. Als ob es nicht ihre Pflicht gewesen wäre, im Beginn ihrer Geschäftsthätigkeit sich mit Kunden und Lieferanten auf möglichst guten Fuß zu stellen.

Und wie viele Nachfolger hatte Herr Bellermann gehabt. Bald war es der, bald jener, den sie ködern, oder der nach ihr seinen Haken auswerfen sollte. Und immer waren die Leute boshaft genug, nicht von ihrer Person, sondern von ihrem Geschäft zu reden. Als ob sie nicht immer noch ansehnlich genug sei.

Jetzt war es Herr Pohlenz, der Stadtreisende von Müller und Lenze, der großen Knopffabrik, der Absichten auf sie haben sollte. Nun ja, diesmal hatten die Leute ja recht. Ein Blinder mußte sehen, daß Herr Pohlenz auf die Firma Caroline Wittfoth spekulierte. Aber lieber ginge sie in die Alster, als daß sie diesen Pohlenz heiratete. Schon vor seinen feuchten, kalten Händen schauderte ihr.

Dann lieber den alten Beuthien, der schon einmal Andeutungen gemacht
hatte. Zwar nahm sie es damals für Scherz und nahm es auch noch dafür.
Aber gesetzt, er hätte die Absicht, lieber den Droschkenkutscher als den
Pomadenhengst mit den Leichenhänden.

Aber was fiel ihr denn ein, wie kam sie doch nur jetzt auf diese
Heiratsgedanken? Sie mußte über sich selbst lachen.

Sie füllte zum dritten Mal ihre Tasse und schob ein längliches Stück
Kuchen in den Mund, als die Ladenglocke ging.

Sie hörte am schweren Auftreten, daß männliche Kundschaft sie beehrte.

Es war der junge Beuthien, der sonntäglich gekleidet vor der Tonbank stand.