Sie wußte ja, das Buch war eigentlich für Mimi bestimmt.
Mimi und Gedichte!
Was waren der alle schönen Gefühle und erhabenen Gedanken. Was war ihr überhaupt Hermann. Nichts mehr, als jeder andere heiratsfähige Kurmacher.
Mimi war ein gutes Mädchen, aber leicht und oberflächlich. Und anspruchsvoll war sie.
Wie hatte sie sich gestern alle Aufmerksamkeiten als selbstverständlich gefallen lassen. Und Hermann war doch kein Krösus.
Therese hatte tausend Gründe gegen eine Verbindung zwischen ihrem Vetter und Mimi, denn sie liebte ihn selbst.
Sein gutes, freundliches, sich immer gleich bleibendes Wesen sprach sie an. Er galt ihr für gescheut. Sein bischen Lehrerweisheit imponierte dem unwissenden, früh der Schule entrissenen, aber lerneifrigen Mädchen.
"Weinst Du?" fragte die Tante, in ihrer fahrigen, kreiselnden Weise ins
Zimmer tretend.
"Ich? Nein. Wie so?" stotterte Therese und versuchte zu lachen.
Bei Behns drüben fuhr in diesem Augenblick eine Droschke vor. Die
Familie kehrte von einer Ausfahrt zurück.