Die Mutter, gewohnt, gegen den Willen der Tochter nichts auszurichten, ließ sie gewähren.
Am Ausgang wurde Lulu unsanft bei Seite gedrängt. Jenes hübsche Dienstmädchen, dem Beuthien in den Saal gefolgt war, hastete an ihr vorüber.
"Marie Marie!" rief der Eiligen ein amtsfreier Briefträger nach. Aber
Marie hörte nicht.
Lulu, entrüstet über den Stoß, gewahrte, sich umsehend, auch Beuthien, eine Cigarre im Mund, langsam und wie gelangweilt aus dem Saal zurückkommen. Von neuen Ankömmlingen am Weiterschreiten gehindert, mußte sie ihn herankommen lassen. Sie berührten sich im Vorübergehen, aber er sah sie nicht, oder wollte sie nicht sehen.
Verstimmt zog sie sich zu Hause auf ihr Zimmer zurück.
Ihre Lampe war nicht gefüllt, und sie ließ ihren Aerger an Anna aus.
"Dat is Madamm ehr Sak, Se hebben mi nix to seggen," widersprach das
Mädchen.
"Dummes Ding," fuhr Lulu auf, und eine Ohrfeige brannte auf der Wange der verdutzten Ungehorsamen.
Ohne ein Wort zu wagen, erfüllte die Gemaßregelte Lulus Befehle.
Diese plötzliche Energie des sonst so gleichmütigen, phlegmatischen
Fräuleins imponierte ihr so, daß sie verstummte. Nur in der Küche ballte
sie heimlich eine Faust und brach eine ganze Viertelstunde später vor
Wut in Thränen aus.