Unterwegs entschloß man sich, die Fahrt, die beiden viel Vergnügen bereitete, etwas weiter auszudehnen, und befahl dem Kutscher, nach dem eine halbe Stunde weiter elbabwärts gelegenen Parkhotel zu fahren. Von da wollte man mit einem der kleinen Elbdampfer nach Hamburg zurückkehren und den Tag in irgend einem Konzertgarten beschließen.
Aber ein Blick in den Vergnügungsanzeiger, der im Hotel auslag, hatte Mimis Tanzleidenschaft angeregt, und in guter Laune beschlossen sie, auf Hermanns Vorschlag, dem nächstgelegenen Tanzlokal, dem Ottensener Park, einen Besuch abzustatten, wo man sich so gut wie fremd fühlen und ohne Furcht gesehen zu werden, der höchste Vorteil einer großen Stadt, unter die Tänzer mischen durfte.
Arm in Arm gingen sie einen einsamen Seitenweg durch die Felder; der
Umweg war ihnen willkommen.
Es war schon dämmerig. Lange Strecken gingen sie zwischen Hecken und
Knicks, oder auf schmalen Fußsteigen an Wiesenrändern, ohne einen
Menschen zu treffen.
Mimi war sehr aufgeräumt. Die genossene Chartreuse that ihre Wirkung. Man alberte mit einander, suchte sich in die kleinen wasserlosen Gräben zu drängen, kitzelte sich mit langhalmigen Gräsern unter die Nase und trieb allerlei Kindereien.
Mimi war selten so animiert gewesen. Alles erschien ihr in rosigem Licht heute, auch Hermann. Er kam ihr fast hübsch vor.
Ihre Gedanken nahmen in der Einsamkeit der Felder mit einem Mal eine eigentümliche Richtung an, und sie erschrak mitten unter ihren Narrheiten.
Gab es eine passendere Gelegenheit für ihn, sich auszusprechen? Forderte ihn nicht alles dazu auf? Ob ihm gar keine derartigen Gedanken kommen würden?
Sie ward stiller und ging nicht mehr auf seine Neckereien ein. Einige
Minuten gingen sie schweigend weiter, sie vorauvorausdurch die Enge des
Weges genötigt, hinter ihr.
"Sehen Sie, die blühen schon," rief sie plötzlich, stehen bleibend, und zeigte auf einen schwankenden, überhängenden Weißdornzweig, an dem die ersten Knospen sich erschlossen hatten.