Einen Augenblick war man ratlos, bis Mimi zaudernd Lulus Namen nannte. Was half es, man mußte es versuchen. Unmöglich konnte man den weiten Weg von Ottensen nach Hause in der Nacht zu Fuß gehen.

Lulu war erfreut über diese neue Gelegenheit, sich die beiden zu verpflichten.

Sie begann den Fahrpreis in Zehnpfennigstücken abzuzählen.

"Lassen Sie doch den Pfennigkram", schalt Beuthien, zog sein
Portemonnaie und wog es protzig in der Linken.

"Bitte nehmen Sie", drängte er Hermann ein Zehnmarkstück auf. "Wir sehen uns ja wieder."

Ungern nahm Hermann gerade von Beuthien diese Gefälligkeit an, aber um nicht unartig zu sein, weigerte er sich nicht lange.

Das war ein unerfreulicher Schluß des Tages. Es war keine Aussicht vorhanden, das Verlorene oder Gestohlene wieder zu erlangen. Das Vergnügen war ihm teuer geworden. Der Ring, den er Mimi geschenkt hatte, stand auch schon auf dem Conto dieses Monats, nun noch dieser Verlust, da hieß es, bis zum nächsten Ersten sich sehr einschränken. Es ging so schon bis hart an die Grenze seiner pekuniären Kräfte, seine Liebe kostete ihm viel.

Mimi wurde in der Pferdebahn müde und gähnte ein paar mal herzhaft. Hermann konnte nicht über seinen Verlust hinweg kommen. Beinahe bereute er diese Extravaganz, wie er jetzt gesonnen war, seinen Ausflug mit Mimi zu nennen. Er war mit einmal sehr ernüchtert, und Mimi kam ihm, wie sie sich schläfrig in die Ecke des Wagens drückte, sehr unvorteilhaft vor.

Doch als sie sich trennten, und sie mit aufrichtigem Herzenston ihren Dank für den "wunderschönen" Tag sagte, schlugen die alten Flammen wieder auf.

Ach was, dachte er. Es war doch schön. Der Kuß zwischen den Hecken fiel ihm ein.