Ob das Liebe war?

Dann war es nichts Beständiges, die Liebe, und jedenfalls nichts
Unentbehrliches zum Heiraten.

Freilich, sie möchte mal so recht verliebt sein, so ordentlich verliebt, wie es in den Büchern steht, und wie es sich Therese immer ausmalt.

"Du meine Wonne, Du mein Schmerz."

Therese hatte es ihr vorgelesen. Therese las sehr schön vor, so wie sie auf dem Theater sprechen, mit "schtehn" und "schpielen," und so mit Gefühl, daß man manchmal wirklich glaubte, sie meinte das alles so, und lese es nicht nur.

Aber die Dichter und Romanschreiber übertreiben immer.

Nein, Mimi hielt nicht viel von diesen hohen Gefühlen.

Und das mochte sie auch an Hermann nicht, daß er manchmal so sentimental sprechen konnte, so salbungsvoll, wie ein Pastor auf der Kanzel, was Therese gerade so "reizend" an ihm fand.

Aber er war ja Lehrer, und die haben immer so etwas Apartes. Gewohnheit thäte ja viel. Wenn sie erst immer zusammen wären, fiele ihr das vielleicht nicht mehr so auf.

Frau Hauptlehrer Heinecke. Mimi prüfte oft in Gedanken, wie sich das ausnähme; es schien ihr nicht übel zu klingen.