XII.

Inzwischen hatten Lulu Behn und Beuthien aus der Annäherung auf dem Ottensener Tanzboden Veranlassung zu wachsender Vertraulichkeit genommen.

Lulus Angst, ihr Abenteuer möchte durch irgend einen Zufall ihrer Familie verraten werden, wurde bald eingeschläfert. Lange Nachgedanken und ängstliche Sorgen lagen überhaupt nicht in ihrer Natur.

Und wie viel größere Heimlichkeiten hatte sie jetzt zu bewahren.

Beuthien bereitete es eine prickelnde Genugtuung, die Jugendfreundin, das Pensionsfräulein, die vornehme Hausbesitzerstochter, zu sich herab zu ziehen. Aber auch ihre Person ließ ihn nicht kalt. War er auch nicht verliebt, so war sie ihm doch eine willkommene Abwechselung, einmal etwas anderes und besseres als Stine und Mine.

Und im Hintergrund stand bei ihm auch die Überlegung; wer weiß, wie es kommt. Zuletzt war sie doch immer keine schlechte Partie.

Freilich, es war höchst unwahrscheinlich, daß der alte Behn sie ihm jemals geben würde.

Doch er dachte ja auch nicht eigentlich ans Heiraten, ging nicht darauf aus.

Lulu aber war ganz Leidenschaft. Mit geschlossenen Augen folgte sie ihrer Neigung für den ehemaligen Spielkameraden. Es war, als ob ihre gewöhnliche Natur sich für die Verbildung, für die aufgedrungene Überfeinerung rächen wollte.

Leichter, als die erste Wiederannäherung, war die Fortsetzung des
Verkehrs zwischen den beiden. Lulu, unbeschränkt in ihrem Thun und
Lassen, Herrin ihrer Zeit, konnte den Geliebten treffen, wann und wo er
bestimmte.