Es machte sich von selbst, daß die paar älteren Leute in der
Gesellschaft in einem Wagen zusammenfuhren, und unter ihnen wieder
Beuthien, als einziger Witwer, und die Dame seiner Neigung, als einzige
Witwe, zusammengeführt wurden.
Frau Caroline hatte ihre beste Garderobe angelegt, ein leichtes schwarzes Spitzenkleid mit glitzerndem Perlenfichu. Ihr besonderer Stolz war ihr neuer Sommerhut, aus dessen Garnitur zarter schwarzer Spitzen sich ein Sträußchen lila Phantasieblumen wirkungsvoll abhob.
"Kieck, wo stuhr se sik höllt, as'n Hahn", hatte Tetje Jürgens sie beim
Einsteigen gehänselt.
Auch Beuthien hatte sich mit besonderer Sorgfalt gekleidet. Sein grauer, etwas borstiger Kinnbart war sauber gestutzt, und auf der weißen Piquéweste prunkte die schwere goldene Uhrkette, auf deren Besitz er sich etwas einbildete.
Die Fröhlichkeit war schon vor der Abfahrt eine allgemeine gewesen, und sie steigerte sich während der Fahrt unter dem Einfluß des heiteren, sonnigen Wetters, das einen schönen Festtag versprach. Gesang und allerlei Neckereien würzten die Unterhaltung, und schon unterwegs wurden Beuthien und Frau Caroline im Scherz als das behandelt, was als ernstes Ziel ihm wenigstens dann und wann mit beängstigender Deutlichkeit vor Augen schwebte.
Der Endpunkt der Fahrt war eine hinter Wandsbek gelegene Waldwirtschaft.
Eine festlich geschmückte Tafel unter hohen Bäumen, mit freiem Blick auf eine buschumsäumte Wiese, empfing die Gesellschaft.
Herr Bierwasser, als Präses, begrüßte die Festgenossen mit einer wohlgesetzten Rede. Er sprach von den erhebenden Gefühlen, die die Brust eines jeden beseelen müßten, wenn er der Bedeutung dieses Tages gedächte.
"Vor fünf Jahren, meine Damen und Herren, meine Freunde und Festgenossen, vor fünf Jahren erblickte unser bescheidenes Alpenveilchen zum ersten Mal das Licht der Welt."
Bravo! Sehr gut. Donnernder Beifall.