Auch für Therese und Mimi war dieser Sonntag ein amüsanter gewesen.

Hermann hatte sich frühzeitig genug eingestellt, um noch der Tante einen
Gruß mit dem Taschentuch nachwinken zu können.

Das Dampfboot nach Buxtehude fuhr erst um halb neun Uhr von der
Landungsbrücke in St. Pauli ab. Ohne zu eilen, konnte man sich mit der
Pferdebahn dorthin begeben.

Schon beim Betreten des Schiffes geriet man in eine muntere Gesellschaft. Ein mittelgroßer Herr mit breitrandigem Panamahut, weißem Leinenrock, grauem Beinkleid und leichten gelben Lederschuhen bildete den Mittelpunkt einer Gruppe rauchender, schwatzender und sehr aufgeräumter junger Herren. Die Ankunft Hermanns und der Damen unterbrach die Unterhaltung. Mimi zog sofort alle Blicke auf sich. Die Herren lüfteten die Hüte und gaben mit übertriebener, geckenhafter Höflichkeit den Weg frei.

"Ah, Fräulein Kruse," rief plötzlich der Herr in Weiß überrascht und mit schlecht verhehlter Verlegenheit.

"Fräulein Saß, Sie auch?" wandte er sich an Therese.

"Herr Pohlenz! Gott, nein, wie komisch," lachte Mimi.

Hermann erkannte unter den andern jungen Leuten einen Bierfreund. Die Begrüßung wurde intimer, man schloß sich aneinander an und wurde nicht müde, über diese zufällige Begegnung geistvolle Betrachtungen anzustellen.

Hermann wäre lieber mit den Mädchen allein geblieben. Er sah voraus, daß Mimi ihm auf Stunden durch die Aufmerksamkeit der anderen entzogen sein würde. Keinenfalls wollte er sich in Buxtehude jener Gesellschaft anschließen. Am Bord war man ja nun einmal auf einander angewiesen.

Auch Therese war anfänglich etwas peinlich von Mimis Triumphen berührt. Sie gönnte sie ihr ohne Neid und hätte nicht ungern gesehen, sie würde so sehr von den Fremden in Anspruch genommen, daß Hermann mehr auf ihre, Theresens, Gesellschaft angewiesen wäre. Sie sah dem Eifersüchtigen schon den Mißmut an.