"Stich hält sie doch nicht," schalt sie bei sich.

Hermann hatte nach der Buxtehuder Tour einige mißvergnügte Tage. Mimis freies Benehmen, ihre Liebenswürdigkeit gegen Pohlenz, über den sie doch sonst bei jeder Gelegenheit die Schale ihres Spottes ausgoß, hatten ihn tief verstimmt. Immer mehr kam er zur Erkenntnis ihres oberflächlichen Charakters. Aber ihrem sinnlichen Reiz konnte er sich nicht entziehen. Seine Eifersucht blendete seinen klaren Blick und verwirrte seine Entschlüsse.

Dieser faden, beschränkten Krämerseele sollte er weichen?

Statt den Kampf mit dem Verachteten aufzunehmen, zog er sich erbittert zurück, und glaubte, Mimi durch Vernachlässigung strafen zu können. Aber diese Strafe traf nur ihn selbst. Er litt sehr. Er sehnte sich, sie zu sehen, sich auszusprechen. Doch wann würde er sie bei der Tante einmal sprechen können, ohne Störung?

So wollte er sie denn um eine Zusammenkunft bitten.

Aber wenn sie merkte, was er wollte, und nicht käme?

Das beste wäre, er spräche sich gleich brieflich mit ihr aus.

Und so schrieb er denn:

Liebes Fräulein!

Die Gefühle, die mich beseelen und die ich nicht länger zum Schweigen verurteilen kann, drücken mir die Feder in die Hand. Habe ich nötig, das noch auszusprechen, was Ihnen, ich weiß es, schon lange kein Geheimnis mehr sein kann?