Mein ganzes Benehmen gegen Sie muß Ihnen längst bewiesen haben, wie
unaussprechlich ich Sie liebe, und daß es das höchste Ziel meines
Strebens, das Glück meines Lebens ist, Sie, teuerste Mimi, mein eigen
nennen zu dürfen.

Ich wollte noch bis Michaelis warten, bis zur Aufbesserung meines Gehaltes, ehe ich Sie vor die Entscheidung stellte. Aber der Kopf denkt, und das Herz lenkt. Und mein Herz gehört Ihnen, hochverehrtes, inniggeliebtes Mädchen, wie auch immer Ihre Antwort ausfällt.

Verschmähen Sie meine Liebe nicht, werden Sie mein, und machen Sie namenlos glücklich

Ihren hoffenden

Hermann Heinecke.

Als Mimi den Brief las, überkam sie zuerst das Gefühl einer großen
Bestürzung. Nun ward es ernst.

Dann aber kam die Eitelkeit zum Wort.

Sie las zum zweiten Mal und ward nun gerührt. Er war doch ein guter
Mensch. Namenlos glücklich sollte sie ihn machen.

Mein Gott, es ist doch etwas Schönes um die Liebe. Sie barg den Brief in ihrer Tasche und brach in ein unterdrücktes Schluchzen aus.

"Nun, was ist Ihnen denn passirt?" fragte die Wittfoth, die sie bei diesem Ausbruch ihres im Grunde weichen Gemütes überraschte.