Wie schmeichelhaft mich Ihr wertes Schreiben berührt hat, brauche ich wohl nicht erst zu sagen. Ich achte Sie hoch und glaube gewiß, daß Sie eine Frau so glücklich machen werden, wie sie es verdient, aber nehmen Sie es mir bitte nicht übel, wenn ich nach reiflicher Erwägung zu dem Entschluß gekommen bin, Ihren werten Antrag nicht annehmen zu können, so gerne ich dieses auch möchte.
Ich meine ohne rechte Liebe ist es eine Sünde, wenn ich ja sagen wollte und im Herzen denke ich ganz anders. Nicht wahr, Sie verzeihen mir meine Ehrlichkeit? Es ist ein gar zu schwerer Schritt, den Sie von mir verlangen, und das Leben ist doch so furchtbar ernst. Es thut mich leid, Ihnen weh thun zu müssen, aber es giebt ja noch ganz andere Mädchen, als ich eine bin, und Sie werden gewiß noch einmal so glücklich, wie Sie es verdienen. Selbiges wünscht Ihnen von Herzen
Ihre Mimi Kruse.
Sie hatte diesen Brief zweimal geschrieben, da die erste Niederschrift ein Petroleumfleck verunzierte. Sie hatte sich beim Höherschrauben der Lampe die Finger beschmutzt und beim Umwenden des Briefbogens diesen befleckt.
Mit brennenden Wangen und fliegendem Atem las sie wiederholt ihr
Schreiben und malte vorsichtig mit zitternder Hand noch einige
vergessene U-striche hinein. Dann schloß sie den Brief in ein Couvert.
Aber ihr fiel eine Nachschrift ein, und sie öffnete es wieder.
"Was die Geschenke anbelangt, die Sie so gütig waren mir zu schenken", fügte sie hinzu, "so erlauben Sie mir wohl, dieselbigen als Andenken zu behalten. Nochmals meinen besten Dank für alles Gute."
Sie nahm ein neues Couvert und versah es mit der Aufschrift.
Herrn Volksschullehrer
Hermann Heinecke
p. Adr.: Frau Ww. Thielemann
Hierselbst.
Raboisen 27, III.
XVII.
Das große Sommerrennen in Horn hielt die ganze sportfreundliche Welt
Hamburgs in Aufregung. Es waren besondere Festtage auch für alle die
Straßen, durch welche die teilweise glänzende Korsofahrt nach und von
dem Rennplatz ihren Weg nahm.