Auch in dem kleinen Kreis der Tante Wittfoth herrschte keine andere Ansicht über Lulu. Er hatte immer nur geringschätzig über sie sprechen hören.

Was stimmte ihn nun auf einmal so günstig für das Mädchen? Wie Mitleid überkam es ihn. Sie hatte so bedrückt, so unglücklich ausgesehen.

Seine Einbildungskraft suchte nach Ursachen, anknüpfend an jenes Ottensener Abenteuer und auf dem Faden ihres Verhältnisses zu Beuthien allerlei romantische Vermutungen aufreihend.

Er wird sie betrogen haben, dachte er, und lachte bitter auf: Tout comme chez nous, mit vertauschten Rollen.

Es that ihm wohl, eine Leidensgefährtin in Lulu zu haben, wenn auch nur in seiner Einbildung. Er wog Lulu gegen Mimi und gab ihr den Preis vor dieser, mit einer Art schmerzlichen Wollustgefühls befriedigter Rache.

Lulu war ihm das Opfer ihrer Liebe, ihrer Leidenschaft, Mimi eine herzlose, oberflächliche Kokette, eine käufliche Dirne.

Ja, eine Dirne war sie, verkauft hatte sie sich diesem Affen, diesem
Knopfkrämer.

Wie ekel war ihm das Leben, wie schal, wie kindisch erschien ihm das ganze Treiben hier, diese Hetzjagd um den Preis, dieses Wetten und Spielen.

Er kam sich einsam unter der Menge vor. Er strebte dem Ausgang zu.

Da ward ihm ein Gruß.