Stumpfsinnig hatte sie in den letzten Tagen dahingelebt. Das wollte sie weiter, die Sache an sich herankommen lassen. Es war ihrer Natur am angemessensten, sich treiben und schieben zu lassen. Mochte es gehen, wie es ging.

Aber dann störte wieder ein Blick auf Paula sie auf, die mit ihrer "brennenden Liebe" so auffallend dort oben paradierte. Die meisten Blicke aus dem Publikum galten dem "feurigen" Backfisch auf dem Kutscherbock, nur einige Offiziere, die in einem leichten Jagdwagen ihre Droschke überholten, musterten fast auffällig das blasse Mädchen in der weißen, gürtelumschlossenen Bluse, das mit so müden Blicken vor sich hinstarrte.

Lulu hatte kein Auge für die Herren. Sie war ganz mit sich beschäftigt. Etwas wie Haß auf die Schwester regte sich, die noch immer Beuthien mit ihrem naiven Geschwätz unterhielt, unschuldig, ein Kind noch, und doch schon seit jenem Tanz mit ihm mit einem Fuß in dem verbotenen Garten, von dessen Früchten sie selbst bereits genascht hatte.

Ein häßlicher Gedanke stieg in ihr auf und sprach sich in einem kurzen, höhnischen Blick aus.

Lach nur, mein Kind, dachte sie. Auch deine Zeit kommt.

XIX.

Fräulein Mimi Kruse machte nach den Renntagen ihre Verlobung mit Herrn
Emil Pohlenz bekannt und kündigte ihre Stellung bei der Wittfoth.

"Hab ich's nicht gleich gesagt?" meinte die Tante. "Mir such einer was zu verheimlichen."

"Es war vorauszusehen", betätigte Therese. "Wenn sie sich leiden mögen, kann man sich ja nur darüber freuen."

"Meinen Segen haben sie", sagte die Wittfoth. "So eine, wie Mimi, bekommen wir schon wieder."