Die Tante hatte der Verlobten etwas spöttisch gratuliert und allerlei
Bemerkungen von "stolz werden", "vornehme Dame" und "einfachen
Kellersleuten" fallen lassen, worauf Mimi ganz gekränkt ausrief: "Aber
nein, Frau Wittfoth, wie reden Sie nur so", und in Thränen ausbrach.

"Na, Herrjeses, was hab ich denn gesagt?" that die Wittfoth pikiert.

"Mimi vergißt uns nicht", suchte Therese zu vermitteln. "Ohne uns hätte sie ihr Glück nie gemacht. Wenn ich Herrn Pohlenz nun gekapert hätte, oder Du, Tante hättest ihn ihr weggeangelt, was denn? Mimi muß uns ewig dankbar sein."

Diese lustigen Worte brachten wieder Sonnenschein, und Mimi beteuerte, sie würde Zeit ihres Lebens an die schönen Jahre zurückdenken, die sie in diesen Räumen verlebt hätte.

"Auch an einen?" drohte Therese mit dem Finger, da die Tante das Zimmer verlassen hatte.

Mimi errötete. Dann aber legte sich eine feine Trotzfalte zwischen ihre
Brauen.

"Ich konnte Herrn Heinecke nicht heiraten."

"Das muß jeder selbst wissen, liebe Mimi. Das kann niemand von Ihnen verlangen", versetzte Therese auf dies Geständnis. "Eine Ehe ohne Liebe denke ich mir entsetzlich."

"Nicht wahr?" stimmte Mimi bei. "Dazu ist das Leben doch auch zu furchtbar ernst. Wenn ich Emil nicht liebte—"

"Dann werden Sie auch gewiß glücklich mit ihm," unterbrach Therese sie schnell. "Hermann ist auch noch viel zu jung zum Heiraten", fuhr sie fort. "Ein Lehrer mit seinem kargen Anfangsgehalt sollte noch nicht daran denken."