Vogel, du bist der König der Welt,
Fern bleibt kein Platz dir, der dir gefällt.
Fliegst in die freien Lüfte,
Fliegst über Berg, über Meer, über Feld,
Vogel du freier, du Herrscher der Welt.
Überall darf der Himmel dir blauen,
Überall darfst du die Welt erschauen,
Überall lässt du die Woge dich grüssen,
Himmelentstürzt dir die Brust von ihr küssen;
Täglich eroberst du neu dir, ein Held,
Vogel, du freier, zu eigen die Welt.
* * * * *
Wie es sein sollte!
Was ist das Glück? Ein niedres kleines Haus,
Weit ab der Welt und ihrem argen Treiben;
Zum Fenster lehnt ein liebes Haupt heraus,
Und Hände winken, lassen mich nicht bleiben;
Vom Strande tönt der Nordsee dumpf Gebraus,
Die Sonne blinkert golden in den Scheiben,
Wir sind im Zimmer einsam und zu zwein,
Wir sind mit unsrem goldnen Glück allein.
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Einsame Weihnachten.
Gestern überkam mich die Weihnachtsstimmung mit übermächtiger Gewalt. "Stille Nacht, heilige Nacht," so klang es von der Strasse herauf; Strassenmusikanten. Was machte mir heute ihr sonst so grässliches Getute erträglich? War es nur diese unverwüstliche Melodie, dieses schönste aller Weihnachtslieder? Und das, was unter dem Zauber dieses Liedes erwachte? Ich war selbst wieder Kind geworden, meiner Mutter am Klavier geschmiegt, und "Stille Nacht, heilige Nacht" klang es von meinen Lippen.
Nun will heute der heilige Abend kommen. Die weihnächtige Stimmung ist mir getreu geblieben, und ich muss mir schon an ihr genügen lassen, denn ich würde einsame Weihnachten feiern; ich lebe, ein Fremder, in der fremden Stadt, einsam inmitten des hastenden Getriebes. Heute bin ich ihm entflohen; ich bin weit hinausgewandert in die schweigende, glitzernde Einsamkeit der ländlichen Umgegend.
Um mich das Spiel der weissen Flocken! Nicht in dichten Wolken wallt es hernieder; in glitzernden Sternen stäubt es fein, so fein herab. Will sich ein Geheimnis, beglückend, beseligend, auf die Erde betten? Leise Klänge klingen mit. Oder ist's Täuschung? Klingt der Schnee in herniederrieselnden Tönen unhörbar fast und doch so deutlich, weich, so wunderweich dem Ohr, wie sich auf die Stirne eine märchenweisse, schmale Frauenhand herniederlastet?