Und Böcklin kennt es!
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Wie organisch die Phantasiegebilde Böcklins sind, sehe ich an Thoma, diesem lieben, stillen, deutschen Meister. Dem gelingen seine Bockfüsser nicht immer, Menschen mit Ziegenbeinen. Aber ein Böcklinscher Faun, der ist echt.
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Ich sehe die Natur böcklinisch, d.h. in vielen guten Augenblicken. Das macht, Böcklin ist so wahr wie die Natur selbst, er hat sie erfasst, hat sie in ihren Muttertiefen belauscht. Die Natur ist böcklinisch. Nie erinnert sie mich an Klinger, so gross der ist, so sehr ich ihn verehre. Aber Böcklin liebe ich. Und es ist nicht nur das Meer, die Nähe des Meeres. Neulich auf der Dorfstrasse, die dunklen Lindenwipfeln gegen den Abendhimmel—Farbe, Stimmung, Musik: alles Böcklin. Oder die kleinen schwarzen Steine, die aus den Watten herausgucken, wenn die Flut leise heranspült, eine Möwe ruhte sich auf dem grössten Stein: Klinger zeichnet so was auch, ganz köstlich. Aber die Natur erinnert mich nie an ihn. Das macht, er ist viel zu sehr Klinger.
Böcklin: Monolog! Klinger: Dialog!
Bei dem einen redet nur die Natur, dem Zauberstab des grossen Künstlers
gehorsam. Beim andern wird eine Unterhaltung draus, ein Zwiegespräch.
Der Künstler hat geistreiche Antworten, Einwände, auch mal einen Witz.
Er ist nicht—rein. Wohlverstanden!
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Welcher Blödsinn: Moderne Kunst! Echte Kunst steht über allen Zeiten, ist immer und nie modern.
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