Wie gern hätte er sie zum Abschied noch umarmt. Aber das Boot tanzte auf und ab an der Schiffstreppe, und sie hatten alle genug zu tun, sich auf den Füßen zu halten, um nicht ins Wasser zu fallen. Er hatte ihr nur noch vom Bord aus zuwinken können, und hatte gewinkt, so lange er sie unter den Zurückfahrenden noch erkennen konnte.
Doch alles das war jetzt wie hinter silbernen Schleiern und zog schnell wie die glitzernden Wellen an seinem Geiste vorüber, während das weiße Bild der kleinen Blanche wie die Sonne selbst fest und unverrückbar im Mittelpunkt seiner traumhaften Gedanken stand.
Da flog ein Steinchen neben ihm auf die Bank und schreckte ihn auf. Sogleich ertönte ein silbernes Lachen, und Blanche kam zögernd den Steig herunter.
»Frei!« rief sie ihm zu, und ihre Augen blitzten unternehmungslustig, während ihr ganzer Körper noch unter der Zügelung einer leisen Scheu stand.
Der Knabe erhob sich und ging ihr entgegen. Da übermannte sie vollends die Verlegenheit, und sie wurde blutrot, als sie ihm die Hand bot. Er aber neigte sich schnell und drückte ihr einen Kuß darauf. Sie hatte ihn auch ihrer Mutter die Hand küssen sehen und dachte, das tut man in seiner Heimat so. Aber den ganzen Tag fühlte sie die Stelle brennen, die seine Lippen flüchtig berührt hatten.
Sie gingen wieder in den Pavillon zurück und setzten sich auf die Bank, und sie saß wie eine kleine Dame neben ihm, steif und kerzengrade, und sie führten eine kümmerliche Unterhaltung miteinander, mit ja und nein und wie und was? Aber ihre Augen, wenn sie nicht am Boden hinirrten oder wie abwesend in die Weite sahen, ruhten mit einem stillen Leuchten auf ihren Gesichtern.
»Sieh mal,« sagte Blanche nach einer neuen Verlegenheitspause und stand auf und ging ein paar Schritte dem Nußgebüsch zu, das die gegenüberliegende Ecke des Gartens ausfüllte. Sie schlug einige Zweige auseinander, und es entstand ein Eingang, durch den man in das Innere gelangen konnte. Er sah hinein und sah in den schattigen Raum ein Bänkchen aus Moos und Erde und eine muldenartige Vertiefung, der man es ansah, daß sie oft als Lagerplatz diente.
»Es ist so mollig drin,« sagte Blanche und schlüpfte vorauf. Er folgte ihr und befreite mit klopfendem Herzen ihr loses Haar, das sich in den Zweigen verfangen hatte. Es herrschte ein märchenhaftes Licht in dem grünen Hause; die goldenen Sonnenstrahlen fanden hier und da Zugang und spielten nun auf dem schwarzen Boden Haschen. Zwei schlanke, junge Birkenstämme standen wie silberne Säulen in dem Sälchen dieses heimlichen Palastes, dessen Dach sie durchbrachen und mit ihren feinen, hängenden Zweigen überschatteten.
Blanche nötigte Manuel, auf der kleinen Moosbank Platz zu nehmen. Sie konnten so eben nebeneinander sitzen.
»Hast du dir selber diese Höhle gemacht?« fragte er.