»Nushat? Wer ist das?«
Und er erzählte ihr von Nushat und von seiner Heimat, und sie wollte gar keine anderen Geschichten weiter von ihm hören.
Dies war ja alles wie ein Märchen. Es war wie aus tausend und einer Nacht. Die Dattelpalmen ragten hoch in blaue Luft, riesenhafte Kakteen breiteten ihre schwammigen, glänzenden und stacheligen Blätter aus, und Rosen, Kamelien und Oleander blühten und dufteten, reicher als hier die Veilchen und Primeln. Kameele zogen schwer bepackt durch die Straßen, und Araber und Neger und Kabylen, Leute von denen sie nie gehört hatte, begleiteten die Karawanen durch die Wüste. Große Schiffe schaukelten im Hafen, und nur auf den sich überstürzenden Wogen einer beständigen Brandung konnte man zwischen ihnen und dem seltsamen Lande verkehren. Und hier war nun Manuel aufgewachsen. Und seine Augen leuchteten, wenn er davon erzählte, und seine Stimme wurde wärmer, wenn er den Namen Nushat nannte.
Blanche sah den Erzähler bewundernd an. Sein gebrochenes Deutsch brachte sie nicht ein einziges Mal zum Lachen. Und Manuel, unter den bewundernden Blicken seiner kleiner Nachbarin, wurde immer redseliger.
Währenddessen stand eine schlanke Knabengestalt am Heckenpförtchen, die Hand unschlüssig auf der Klinke. Lux kam eine Stunde später aus der Schule als Blanche. Auf dem ganzen Weg hatte er an den fremden Knaben gedacht, der jetzt bei den Eltern seiner kleinen Freundin wohnte. Noch so lange, lange Zeit wohnen sollte. Ja, während des Unterrichts selbst hatte er seine Gedanken nicht zügeln können. Nun stand er am Pförtchen und wagte auf einmal nicht, in den Nachbargarten hinüberzugehen; Blanche war schon seit einer Stunde frei, und sie würde nun mit dem fremden Knaben zusammen spielen. Was sollte er nun noch dabei?
Aber er trat doch ein, beklommenen Herzens, und schlug gleich den kürzeren Weg ein, der ans Wasser hinunter führte. Da hörte er Manuels Stimme. Verwundert stand er still, da er die Beiden nicht im Pavillon sah. Er horchte. Dann schlug er das Gesträuch hastig auseinander, und der helle Tag flutete in die grüne Dämmerung hinein. Da saß Blanche mit dem fremden Knaben, eng zusammen geschmiegt, auf der kleinen Moosbank und sah den Störer mit großen, erstaunten Augen an, als erkenne sie ihn nicht gleich.
Für einen Dritten war drinnen nicht Platz; Lux hatte dieses Bänkchen nur für sich und Blanche berechnet.
»Willst du nicht hereinkommen?« rief Blanche.
»Alle drei können wir ja doch nicht darin sitzen,« sagte er und blieb draußen stehen. Da standen sie auf und kamen heraus und waren freundlich mit ihm. Er aber blieb unlustig und wortkarg und wußte nichts mit ihnen anzufangen.