4. KAPITEL.

Am anderen Tage berichtete Blanche ihm auf dem Schulwege, was Manuel ihr von seiner Heimat erzählt hatte. Sie war so lebhaft dabei, daß Lux dachte, sie übertriebe, und nur verärgert zuhörte. Und die Folge war, daß er am Mittag nicht in den Garten kam. Sie sollte nur allein mit dem spanischen Affen spielen; er fand ihn unausstehlich.

In Wahrheit aber imponierte ihm der über seine Jahre hinaus gewandte Manuel, und er fühlte zornig seine Unfähigkeit, ihm entgegenzutreten. Manuel sprach außer seiner Muttersprache ziemlich gut französisch und wußte sich mit jedem Tage besser mit der deutschen Sprache abzufinden. Lux quälte sich in der Klasse noch mit den Anfängen der alten und neuen Sprachen und konnte noch in keiner drei zusammenhängende Sätze sprechen. Manuels tiefere Stimme hatte schon einen Anflug von Männlichkeit gegen Luxens helle Knabenstimme. Manuel verstand es auch, eine tadellose Verbeugung zu machen und küßte Blanche die Hand. Sie hatte es endlich nicht länger bei sich behalten können und hatte Lux dieses zarte Geheimnis anvertraut.

Die Hand küssen? Wie dumm! Nie würde er sich zu dieser Albernheit verstehen. Aber Manuel brauchte ja auch Pomade. Sein glattes, schwarzes Haar glänzte ordentlich wie ein Spiegel und verpestete die ganze Luft, wenn er sich neu gesalbt hatte. Lux konnte das nicht leiden, während Blanche den leisen, feinen, süßlichen Toilettenduft liebte.

Eines Tages, o Schrecken, hatte Manuel sogar geraucht. Mit Neid und widerwilliger Bewunderung fand Lux es empörend, während Blanche tat, als wäre es selbstverständlich, daß Knaben in seinem Alter rauchten.

»In Spanien rauchen sie alle,« sagte sie.

Frau Elisabeth aber untersagte dem Knaben das Rauchen, und als er erklärte, er habe schon oft geraucht und sein Vater wisse es, bat sie ihn, es ihr zur Liebe zu unterlassen, so lange er in ihrem Hause weile.

»Ich werde es lassen,« versprach Manuel, und er warf ohne Zögern seinen ganzen Zigarettenvorrat in den Bach.

»Er ist ein kleiner Gentleman,« sagte die Mutter, und Blanche plapperte es ihr nach, obgleich sie keinen klaren Begriff hatte, was ein Gentleman eigentlich sei. Daß Lux es nicht sei, stand bei ihr fest.

Der arme Lux! Mit jedem Tage mehr empfand er den fremden Knaben als einen Eindringling, der ihn aus seinem Paradiese vertrieben hatte. Blanche teilte zwar kindlich ihr Herz zwischen ihrem alten und ihrem neuen Freunde, aber er sah nur den Anteil, der Manuel zufiel, und er sprach in verächtlichen Ausdrücken von dem Spanier und schalt ihn einen Gecken.