So erzählte Frau Elisabeth in tiefer Ergriffenheit. Den Kindern enthielt sie diesen Teil des Briefes vor. Es schien ihr nicht ratsam, die jungen Seelen schon mit solchen Dingen zu beschweren; sie würden früh genug die Tragik des Lebens kennen oder doch wenigstens ahnen lernen. Sie sagte ihnen nur, daß Dr. Irmlers Studien seine Anwesenheit in Rom noch für einige Tage verlange.
Lux selbst war zufrieden. Die Tage gingen abwechselungsreich hin, und die leichten Schatten, die die Verstimmung zwischen ihm und Manuel auf ihre Freuden warf, bedrückten ihn nicht allzusehr.
Manuel jedoch war keineswegs erfreut über Luxens verlängerten Aufenthalt. Acht Tage noch! Wäre doch die Zeit bald um!
Blanche aber rief einfach: »Wie schön!« obgleich es ihr keinen großen Kummer gemacht hätte, Lux schon jetzt an seinen Vater zurückzugeben.
Nun mußte es geschehen, daß Frau Elisabeth um diese Zeit von heftigen Kopfschmerzen anhaltend geplagt wurde, so daß sie sich den Kindern nicht so viel wie sonst widmen konnte. Sie überließ sie um so ruhiger sich selbst, als es ihr bisher erschienen war, daß sie in guter Kameradschaft miteinander verkehrten.
Aus dieser Ruhe sollte sie eines Tages aufgestört werden. Die Spannung zwischen den beiden Knaben hatte sich wie ein böses Geschwür weiter gefressen, das nun unerwartet aufbrach.