Irrende Seele
Meine arme, irrende Seele,
Wirst du nach Hause finden?
Welche Wege musst du noch gehen,
Bis du ein Licht und Ziel wirst sehen.
Lange bist du durch Unland gegangen,
Und wolltest, wie oft, verzagen,
Bist zitternd in die Knie gesunken
Und hast aus bittern Quellen getrunken.
Meine arme, irrende Seele,
Noch immer hält dich ein letztes Hoffen:
Es muss aus allen Dunkelheiten
Doch ein Weg nach Hause leiten.
Rosentod
Was lässt mich zaudern, mir vom Rosenstrauch
Des holden Kelches satte Lust zu brechen?
Wirft doch vielleicht der nächste Morgenhauch
Sie schon entblättert vor des Gärtners Rechen.
Die Schwestern leuchten rings in junger Glut,
Der grüne Busch in seiner Mutterfreude —
Mir ist's, als ob ich heiliges Lebensblut
Um eine eitle Augenlust vergeude.
Im engen Glas ein kurzes Treibhausglück,
Ein Leben siecht in einem toten Scherben
Und sehnt sich aus der Kerkerhaft zurück,
In Freiheit an der Mutter Brust zu sterben.
Sahst du ein armes Herz zum letztenmal
In einem hellen Hoffnungsfrühling blühen
Und dann nach herber Täuschung kurzer Qual
Nur um so schneller in sich selbst verglühen?
So scheint noch einmal duft- und farbenfrisch
Die Rose sich im Glase zu erneuen,
Um plötzlich über deinen stillen Tisch
Und dein Gedicht den blassen Tod zu streuen.