Um Mitternacht
Bin ich jäh erwacht.
Hufschlag hallte, ein Horn erklang,
Dass ich erschreckt ans Fenster sprang.
Der Mond schien hell,
Und da kam es zur Stell:
Ein Schatten voraus, dann ein milchweiß Ross,
Darüber des Mondes Silber floss,
Und ein Reiter ganz jung, einen blauen Kranz
Im Gelock. Hell blitzte des Hornes Glanz
In der Faust, und er stieß in das Horn hinein,
Als sollte und müsste geblasen sein.
O war das ein Klang
In dem Horngesang!
Eine süße Kraft, eine blühende Kraft,
Eine zitternde, quellende Leidenschaft,
Ein Herz und ein Jubel, ein seliger Schrei!
Ein Klingen, ein Leuchten — da war es vorbei.
Hatte mich ein Traum bethört?
Nicht einer hatte den Reiter gehört,
Sie lachten mich alle am Morgen aus:
Da kommt der Träumer, der Dichter heraus.
Aber mein Töchterchen kam mit Hurra:
Seht mal, die ersten Veilchen sind da!
Und ich glaube, auch Krokus und Narzissen
Kommen schon. — Was wollt ich noch wissen?
Ich lächelte nur und sagte: Ja, ja,
Ich weiß, die Veilchen sind wieder da.
Scherz
Als ich heute Nacht
Das Fenster aufgemacht,
Sah ich ein Bübchen mit zitternden Flügeln,
Das stolperte zwischen weißen Hügeln;
Bald auf dem linken, bald auf dem rechten Zeh,
So stelzt es im Schnee.
War's Amor, der ein Ständchen gebracht,
Überrascht von der ersten Winternacht?
Oder war es nur ein letzter
Kleiner dicker untersetzter
Blumengeist, der überrumpelt
Durch den ersten Schnee hinhumpelt
Und weiß nicht so schnell
Wohin zur Stell,
Und, so was kommt vor, im Schrecken vergisst,
Dass er fliegen kann, geflügelt ist?