Zwei Kameraden gingen in ihren Mänteln, Spaten auf der Schulter, querüber nach dem Hügel, ein neues Grab zu graben.


XI

In der vierten Woche meines Aufenthalts im Typhuslager hörte ich, daß von Deutschland her frische Truppen angekommen wären, und noch mehr ankommen würden, lauter Husaren, im ganzen viertausend, und daß der Feldzug nun also mit mehr Macht wieder losgehn sollte. Aber mir war es gleichgültig; ich dachte: ›Wärst Du bloß aus diesem Affenlande heraus.‹

Aber in der fünften Woche wich meine Krankheit. Wie aber Gesundheit und Kraft leise wieder kamen, dachte ich, daß es doch nicht schön wäre, so, nach diesen Erlebnissen, nach Hause zurückzukehren. Ich wollte gern bei dem zweiten und bessern Teil des Feldzugs, bei dem »raschen Siegen«, dabei sein.

Es traf sich, daß ein Oberleutnant mit einer kleinen Patrouille von drei Mann von Osten her kam und unterwegs einen Mann verlor und einen andern als Typhuskranken hier liegen lassen mußte. Dem sprang ich vor die Füße und bat ihn, daß er mich mitnähme. Er fragte mich, ob ich reiten könnte. Ich sagte: »Ja,« obgleich ich seit meinen Kindertagen nicht wieder auf einem Pferd, und auf einem Sattel noch niemals gesessen hatte. Er sah mich mißtrauisch an und sagte: »Du fällst mir unterwegs vom Pferd.« »Zu Befehl,« sagte ich, »ich bin stark wie ein Baum,« und sah ihn an. Er war mager wie ein Brett und seine Augen glitzerten unter der Stirn. Er sagte: »Ich habe vier Monate lang ein Hundeleben geführt.« »Zu Befehl,« sagte ich, »ich auch. Und darum möchte ich hier weg.« Da machte er mich beim Hauptmann los.

Bevor der Morgen graute, ging ich zu den Pferden, die schon an unsern Wagen angebunden standen, und sagte dem Unteroffizier, der mitritt und der schon neben den Pferden stand, daß ich noch nicht auf dem Sattel geritten hätte. Er schimpfte erst mächtig und fragte mich, ob ich denn wenigstens wüßte, wo bei einem Pferd vorn oder hinten wäre. Ich dachte: ›Mach' ihn nicht ganz wild‹ und griff nach dem Sattel und trat an das eine Pferd heran, und sah im Geist, wie ich in meinem Leben wohl schon hatte satteln sehn und machte es ja wohl nicht ganz falsch; denn er fing wieder an, gewaltig zu schimpfen und mir zu zeigen, wie es richtig wäre. Dann übte ich ebenso das Auf- und Abkommen und dachte: ›Das wird schon gehn.‹ Am andern Tag erfuhr ich von dem andern Mann, daß auch der Unteroffizier erst vor kurzer Zeit zum erstenmal ein Pferd bestiegen hatte, und mit viel mehr Ach und Krach als ich. Da wunderte ich mich was doch Gott für merkwürdige Kostgänger hat. Darüber habe ich mich überhaupt oft gewundert.