»Unter den Mönchen vernahm ich, daß die Böhmen sich dem Hezilo verbündet haben, sicher weißt du, ob die Grafen der thüringischen und sächsischen Mark den Böhmen widerstehen wollen.«

»Wir vermuten,« antwortete Odo, »daß ihr Wille ist, ein Heer zum Schutz der Grenze zu sammeln; dann hoffe ich, werden auch wir reiten.«

»Sonst zog unser Wald zu dem Banner, welches der Vogt des Königs in Erfurt aufsteckte,« warf Immo ein.

»Ich aber meine,« versetzte Odo, »daß der Königsvogt sich nicht beeilen wird, seine Burg zu verlassen und nach Süden zu ziehen, wenn an der nahen Grenze der Kriegslärm erhoben wird. Bei uns denkt jeder daran, sich im Hause zu wahren, denn einer mißtraut dem andern.«

Immo schwieg gekränkt, denn er sah, daß auch die Brüder ihm mißtrauten. Er rief deshalb den Knaben Gottfried und erbat von der Mutter, daß dieser mit ihm reite. Auf dem Wege erzählte ihm der Harmlose, was er bereits ahnte, daß die Mutter für König Heinrich war, die Brüder aber für den Babenberger. Und noch mehr erfuhr er. Auch seinetwegen war ein langer Kampf zwischen Mutter und Brüdern gewesen, denn die Brüder hatten sich dagegen gesträubt, dem ältesten die Mühlburg vor der Teilung zu überlassen, damit sie dem Stift des Erzbischofs zufalle, und nur widerwillig hatten sie dem Ansehen der Mutter nachgegeben. »Die Brüder hatten recht,« rief Immo dem verwunderten Gottfried zu. Auf der Wassenburg wußte der alte Dienstmann wenig vom Laufe der Welt, doch freute er sich des Briefes und besserte auf Hugbalds Rat an den Mauern. Auch in Arnstadt, der dritten Burg, welche das Kloster am Walde besetzt hielt, vermochte Immo nicht viel zu erfahren. Da ritt er nach Erfurt zu dem Vogt des Königs, der seinem Vater vertraut gewesen war; dort wurde er freundlich empfangen und vernahm vieles, was dem Abt wertvoll sein mußte. Auch das Pergament zum Briefe kaufte er in der Stadt und den Dienstmann Hugbald brachte er als Gast nach dem Hofe, nachdem er ihm einen Wink gegeben hatte, über die letzten Tage im Kloster zu schweigen.

So vergingen die ersten Tage in der Heimat unter der Arbeit, die er für Herrn Bernheri übernommen hatte. Er war wenig mit den Hofgenossen zusammen, und Frau Edith erfreute sich an dem Eifer, den Immo für seinen Abt bewies. Und als sie merkte, daß er in der Kemenate über dem Pergament saß, ging sie selbst in den Hof und scheuchte die Mägde und den Kranich mit seinem Hühnervolke in die entfernteste Ecke, damit kein Geräusch die seltene Arbeit störe.


5.
Die Trennung.

Immo trat zu seinen Brüdern, welche gewappnet, in der Eisenhaube die Rosse sattelten. Das Herz lachte ihm, als die hochgewachsenen Knaben sich so geschwind mit den Pferden tummelten. Da sah er, daß Odo den weißen Sachsenhengst herausführte und ihm schoß das Blut nach dem Haupte, aber er bewältigte die Erregung in Mönchsweise, indem er schnell ein Vaterunser sprach; dann ging er an das Roß und sprach ihm leise zu, das Tier spitzte die Ohren und wieherte. »Einst gehörte das Pferd mir,« sagte er zu Odo, »und als ich schied, schenkte ich es unserm Bruder Gottfried.«