»Das tatest du,« versetzte Odo gleichmütig, »aber da es das beste Pferd im Hofe ist und für die Zucht wertvoll, so reite ich es lieber selbst; denn der Knabe ist unvorsichtig und tummelt sich wild, wo der Hengst zu Schaden kommen könnte.«
Immo schwieg, führte das Roß, welches ihm Herr Bernheri zur Reise geschenkt hatte, aus dem Stall, sattelte es neben den andern und begann: »Gefällt es euch, so reite ich mit.«
Die Brüder sahen einander an, und Immo merkte, daß eine stille Abweisung in ihren Blicken lag, endlich sprach Odo zu den andern: »Da er als unser Bruder im Hofe weilt, so mögen wir es nicht wehren. Doch nicht müßig reiten wir über das Feld, Immo, und für einen Gast aus der lateinischen Schule wird es ein langer Ritt, denn wir streifen über die Fluren wegen Sicherheit der Dörfer, sowohl in unserem Erbe als auch auf dem Lande der Nachbarn nach altem Brauch.«
»Ich kenne den Brauch,« versetzte Immo, »und möchte euch begleiten, wie ich zuweilen unserm Vater gefolgt bin.«
Odo nickte, aber Immo fühlte, daß es keine freundliche Einwilligung war, und die jungen Adalmar und Arnfried sprachen leise zueinander und lachten.
»Wie kommt es, daß Gottfried uns nicht begleitet?« frug Immo auf dem Roß.
»Er trägt nicht den Schwertgurt,« versetzte Odo kurz. »Vorwärts,« und in gestrecktem Lauf sprengten die Reiter aus dem Hofe.
Die Brüder sahen von der Seite prüfend auf Immos Reitkunst.
»Langgefesselt sind die hessischen Pferde,« begann Erwin spottend, »übel steht ihnen die Bocknase.«
»Hättet ihr dem Bruder ein Roß aus der Hofzucht geboten, wie sich gebührte, so würde das fremde Gesicht euch nicht ärgern,« versetzte Immo und sah so finster auf den Tadler, daß dieser zur Seite ausbog.