Immo reichte der Alten die Hand. »Du wirst nicht lange für mich sorgen, denn ich gedenke von hinnen zu reiten.«
Am nächsten Tage sprengte der Knabe Gottfried in den Hof. »Heimlich habe ich mich aufgemacht,« begann er schüchtern, »ich komme dich zu bitten, mein Bruder, daß du meiner in Liebe denkst.«
Immo drückte den Treuen fest an sich. »Sprich auch, wenn ich nicht da bin, freundlich von mir zu der Mutter.«
»Auch sie gedenkt deiner,« versetzte Gottfried zutraulich, »denn wisse, zum Mittagsmahl trägt sie selbst deinen Stuhl an ihre Seite und setzt deinen Teller und deinen Becher auf den leeren Platz.«
»Vergeblich ist die Sorge der Mutter, der Sitz wird leer bleiben,« rief Immo finster.
6.
Auf der Reise.
Hügel und Tal lagen im Sonnenlicht und der Bergwind wehte kräftig vom Walde her, als eine Schar junger Thüringe von der Höhe in das Tal des Idisbachs hinabzog. An ihrer Spitze ritt Immo im eisernen Kettenhemd, den Stahlhelm am Sattelgurt, den Holzschild um den Hals gehängt, einen starken Speer in der Hand, neben ihm Brunico in ähnlicher Rüstung. Ihnen folgten zu Fuß wohl dreißig rüstige Jünglinge in kurzem Eisenhemd und leichter Helmkappe, mit hohen Lederstrümpfen und nackten Knien, auf dem Rücken den runden Schild mit eisernem Buckel, darunter den Köcher mit Pfeilen, in der Hand den Kampfbogen und zwei Wurfspeere. Mitten in der Schar führten zwei Heerwagen, mit starken Rossen bespannt, den Kriegsbedarf: Waffen, Wollmäntel und Säcke mit Lebensmitteln. Mit behendem Fuß schritten die Knaben des Waldes und mancher hob unnötig die Beine, um ein wenig den Reigen zu springen, welchen der Rufer des Haufens vorsang. In der Nähe eines Gehölzes hielt der Zug. Die Späher eilten voran, auf die Zeichen, welche sie zurückgaben, tauchte der ganze Haufe in den Busch. Immo sprang zur Erde, stellte die Wächter und die Jünglinge bereiteten sich und den Rossen das Mittagsmahl. Nur Brunico ritt vorwärts, begleitet von einem leichtfüßigen Genossen. Nicht lange, und er kehrte eilig zurück: »Eine reisige Schar liegt vor uns auf dem Wege, gerade unter der Idisburg. Sie sorgen wenig um Wache und Ausguck. Das Banner, welches sie führen, gehört, wenn wir recht erkennen, dem Grafen Gerhard. Es sind mehr als hundertzwanzig Rosse, die Reisigen bereiten das Mahl am Bache und hausen übel im Dorfe unter der Burg; ich sah sie Garben und Gerät aus den Höfen herzuschleppen und die Landleute liefen ihnen nach und schrien.«
»Ob uns die Begegnung lieb oder leid ist,« entschied Immo, »wir vermögen sie schwerlich zu vermeiden. Denn da auch Graf Gerhard dem König zuzieht, so ziemt uns nicht, gleich Wölfen heimlich hinter ihm herzutraben. Folge mir zu seinem Lager, ihr andern aber bergt euch im Versteck.« Und er besprach mit dem Hauptmann seiner Knaben, was die Vorsicht gebot.