Die Fechter sahen bekümmert einander an und Ringrank antwortete sich erhebend: »Drei Zoll auf der Brust mögen unsern Brotherrn um zwei Kämpfer ärmer machen. Fordert der Herr großen Dienst, so ersehnt sich der Mann großen Lohn. Sorgt wenigstens, daß wir beide gegeneinander kämpfen und nicht gegen die Kämpfer, welche der König mit sich führt, denn diese sind ungerecht bei dem Messen der Wunden, um ihren eigenen Ruhm gegen andere zu erhöhen.«
Die Herren lachten und saßen in guter Laune beim Mahl, tranken und riefen Heil, wie unter Helden Brauch ist.
Da nahte in gestrecktem Lauf Egbert, der Dienstmann, und trat staubbedeckt, mit heißem Antlitz vor den Grafen. »Durch wilden Ritt holte ich Kunde, die manchem sorgenvoll wird,« rief er. »Dem König ist sein ganzer Schatz genommen. Held Magano, der Diener des Babenbergers, hat den Schatz auf der Reise gefangen, ich selbst sah den Mann des Markgrafen und ich sah die lange Reihe der Saumrosse und Karren in seine feste Burg treiben.«
Mit Schreckensrufen sprangen die Bankgenossen von ihren Sitzen und drängten sich um den Boten, auch der Graf erhob sich bestürzt. »Wie ein Unsinniger gebärdest du dich, daß du diese Kunde vor aller Ohren ausrufst.«
»Herr, sie läuft durch das ganze Land wie Wasser durch den gebrochenen Damm, in den Dörfern liefen die Leute zusammen, und ich sah, daß frische Gesellen, die dem Lager des Königs zuritten, von den Rossen stiegen und die Köpfe senkten; wie soll einer unter dem Habicht dahinreiten, welchem die Federn gerupft sind?«
»Oft hörte ich den großen Schatz des Königs rühmen,« begann kopfschüttelnd ein alter Kriegsmann, »und gern dachte ich an das goldene Kreuzgeld darin, an die Armringe und Becher, mit denen er seine Getreuen lohnen würde; die Bayern haben lange an dem Schatz gesammelt, manch uraltes Schmuckstück lag darin aus Sachsenland, das einst Wieland, der Held, geschmiedet hat.«
»Jetzt aber ist der König so kahl wie meine Handfläche,« rief Egbert, »wer ihm dient, mag zusehen, wie er die Kosten des Zuges wiederfindet. Denn nicht der Goldschatz allein ist in die Hand des Markgrafen gefallen, sie sagen, daß auch die Königskrone dabei war, die heilige Lanze und die hohen Reliquien, an denen die Königsmacht hängt.«
Die Krieger erschraken, viele bekreuzten sich und die Augen aller wandten sich nach dem Grafen, dessen unsicherer Blick verriet, daß er mit schwerem Zweifel rang. »Ist die Krone verloren, wie mag er das Reich bewahren?« fuhr ihm heraus. »Unheil brachte der Tag, an dem wir auszogen, und üble Vorbedeutung war es, daß der Sauhirt die Faselschweine über den Weg trieb.«
»Auch andere Botschaft bringe ich, Herr,« fuhr Egbert fort. »Als ich vom Main den Kieferwald heraufritt, rastete an der Landstraße Heriman, der Goldschmied aus Erfurt, der nach seinen Worten zum König Heinrich reist. Da er ein Packpferd bei sich hatte, so riet ich ihm, sich unter euren Schutz zu begeben, er aber widerstrebte, und ich verließ ihn im Walde allein mit seinem Knechte.«