»Willst du deine Kinder in den Mauern der Festung bergen? Ungern erträgt, wie ich höre, dein Volk die Not einer belagerten Burg.«

»Vielleicht finden wir das Lager des Hezilo an einer anderen Stelle,« antwortete der Spielmann.

»Weißt du, wo?« frug Immo schnell.

Wizzelin schüttelte das Haupt. »Wir Friedlosen, Herr, singen und sagen nicht alles, was wir wissen und vergebens wäre es, aus uns herauszulocken, was wir nicht gestehen wollen. Eins aber sage ich euch: unser Lied wird den König Heinrich selten rühmen, und seit er das Urteil gefällt hat über den Grafen Ernst, ist das fahrende Volk ihm feind und der König mag sich vor der behenden Zunge meiner Kinder hüten wie ein Roß vor einem Schwarm Hornissen.« Und bedeutsam setzte er hinzu: »Auch der Held, welcher in seinem Heer Ehre gewinnt, mag sich hüten, ihm zu vertrauen, denn kalt und hart ist er wie Stahl.«

»Ist dir der Markgraf lieber, wie kommt's, daß du bei uns lagerst und nicht beim Hezilo?«

»Ihr selbst wißt einen Grund, daß ich hierher gesandt bin; andere behalte ich für mich. Auch der Spielmann denkt zuweilen, daß es sein Vorteil ist, dem Sieger zu folgen.«

»Sei gelobt, Wizzelin, daß du für uns den Sieg hoffst,« rief Immo.

»Noch ist er nicht erkämpft,« versetzte der Spielmann. »Hütet ihr euch nur, daß ihr euren Anteil daran nicht verschlaft.« Und leiser setzte er hinzu: »Soll ich euch Gutes raten, so wandelt morgen und an den nächsten Tagen im Grase, bevor die Sonne aufgeht; sammelt den Frühtau und streichet euch damit die Augen, er hilft, wie die Weisen sagen, zu scharfem Gesicht.«

Immo überlegte die Worte, dann griff er schnell nach seiner Geldtasche. »Sage mir mehr, Wizzelin.«

»Ich tue es nicht,« entgegnete der andere, »auch nicht, wenn ihr versucht, mir die Augen durch Goldblech zu blenden.« Er schob den Vorhang zurück und blies auf einer kleinen Querpfeife einige schrille Töne ins Freie, gleich darauf vernahm Immo dasselbe Zeichen an mehreren Stellen des Lagers. »Weshalb ihr kommt, weiß ich, ohne daß ihr mir's sagt,« setzte Wizzelin ernsthaft die Unterredung fort, »den Gruß, welchen ich euch im Kloster lehrte, hat mir noch keines meiner Kinder zugetragen. Darum ist meine Meinung, daß euer Geselle, dessen Botschaft ihr erwartet, nirgends weilt, wo der Wind über die Halme weht und ein Baum Schatten auf die Flur wirft, sondern umschlossen von Stein und Speereisen.«