Immo hatte in dem Kampfspiel seine Reitkunst rühmlich erwiesen, die Jungfrau aber, in deren Augen er am liebsten sein Lob gelesen hatte, blickte nicht auf den glänzenden Zug. Er wußte, daß Hildegard auf Befehl des Königs unter der Aufsicht einiger frommer Schwestern in der Stadt weilte, aber ihm war trotz aller Mühe nicht gelungen, zu ihr zu dringen. Als er jetzt vom Rosse stieg und in die Herberge trat, fand er den Spielmann Wizzelin, der in neuem Gewande und mit klirrendem Goldschmuck, das Saitenspiel in der Hand seiner wartete, umdrängt von Kriegsleuten, welche mit dem wohlbekannten Mann Scherzreden tauschten und ihn mahnten, seine Kunst vor ihnen zu erweisen.
»Gutes Glück bringe mir das Wiedersehen, du flüchtiger Wanderer,« rief Immo.
»Auch euch ist alles gelungen,« antwortete der Spielmann, »und als ein Glückskind rühmten euch die Leute, während ihr heute so hurtig rittet. Liegt euch noch am Herzen zu erfahren, was ihr einst von mir begehrtet, so vermag ich Bescheid zu sagen.«
Immo führte ihn schnell in seine Kammer.
»Sie ist hier,« sprach Wizzelin leise, »sie will euch sehen, und ich vermag euch zu ihr zu führen. Die alten Nonnen, bei denen sie weilt, sind keine strengen Wächter, auch sie vernehmen gern, wenn ich vor ihnen die Saiten rühre. Folgt mir sogleich, wenn es euch gefällt, doch haltet euch eine Strecke hinter mir zurück, denn ich bin den Helden hier nicht unbekannt,« fügte er stolz hinzu, »und muß auf viele Grüße antworten.«
Sie traten auf die Straße, der Spielmann glitt behend durch das Gewühl von Reitern und Rossen, von Burgmannen und Landleuten, welche herzu geströmt waren, den Einzug zu sehen. Oft wurde er angerufen, auch Gelächter und Spottreden klangen ihm entgegen. Gegen die Huldreichen verneigte er sich und versprach Besuch und Lied, den Spöttern antwortete er mit dreister Gegenrede, so daß er die Lacher stets auf seiner Seite hatte. Endlich bog er in eine stille Seitengasse und fuhr durch das Tor eines dürftigen Hofes. Er wies auf eine niedrige Fensteröffnung, hob einen Zipfel der Decke, welche das Innere verbarg, und sagte zu Immo: »Springt dreist durch die Tür, ich halte die Wache.«
Immo eilte in das Haus. Mit einem Freudenschrei warf sich Hildegard in seine Arme und drückte sich an seine Brust.
»Wie bleich du bist, Hildegard, und gleich einer Gefangenen sehe ich dich bewahrt.«
»Sie sind nicht hart gegen mich, und wären sie es auch, ich würde es wenig beachten, wenn ich an dich denke und dein Antlitz zu sehen hoffe. Denn so oft mich die Einsamkeit ängstigt und die Gefahr bedroht, bist du mir in meinen Gedanken nahe, du Lieber, mich zu trösten. Bald aber werden sie mich von hier fortführen zu der Königin, in ihrem Gefolge soll ich bewahrt werden.«