»Ich hatte ihm verboten, das Buch zu öffnen,« sprach Lenore, »und ich weiß, er hat keine Seite angesehen. Ihr Alle sollt zuhören, wie er meine Fragen beantwortet.«

Als Anton in der nächsten Tanzstunde erschien, trat ihm Lenore an der Spitze der Partei entgegen, ihre Miene war bekümmert, und alle Braunen bemühten sich, die Köpfe zu hängen und eben so traurig auszusehen: »Ach, Herr Wohlfart, was haben Sie gemacht! Das Buch, welches Sie an Theone geschickt haben, war ja nicht ihr Tagebuch, es war das Notizbuch eines Herrn, aus einer fremden Brieftasche.«

»Wie ist das möglich?« rief Anton bestürzt.

»Gleich auf der ersten Seite war eine Rechnung vom 29ten über einen Frack, vom 30ten eine Flasche Rothwein und zwei neue Sporen. Das Buch konnte uns nichts helfen.« Alle Braunen schüttelten den Kopf und sahen betrübt zur Erde.

Anton suchte sich zu entschuldigen. »Fink zog das rothe Buch aus der Westentasche und gab es in meine Hand, ich sandte es sogleich versiegelt ab.«

»Dann muß Herr von Fink das Buch vertauscht haben,« fuhr Lenore fort. »Warum haben Sie denn nicht hineingesehen?« frug sie vorwurfsvoll, »wenigstens auf das Titelblatt.«

»Das durfte ich ja nicht,« rief Anton, »ich hatte Ihnen ja versprochen, keinen Blick hineinzuwerfen. Ich rufe Fink.«

»Halt,« rief Lenore, »noch einen Augenblick! Hat er hineingesehen oder nicht?« frug sie siegreich zu ihrer Schaar gewandt.

Ein bewunderndes »Nein« kam von Aller Lippen. »Bleiben Sie, Herr Wohlfart, es ist das rechte Buch, das Sie zurückgesandt haben. Einige von uns bezweifelten, ob ein Mann, ob selbst Sie das Tagebuch ungelesen aus der Hand geben könnten, ich sagte, Sie wären das im Stande, und habe meinen Freundinnen das so eben bewiesen.«

»Ich danke Ihnen für das gute Zutrauen,« rief Anton erfreut.