»Sie wissen also keine?« frug der Freiherr prüfend und doch mit dem stillen Wunsche, daß Ehrenthal ihm die Mühe erleichtern möchte.
»Ich weiß keine,« sagte der Händler mit größter Entschiedenheit. »Aber wenn Sie wünschen, will ich mich erkundigen unter der Hand; es sind immer welche zu haben. Auch Ihr Rechtsanwalt wird Ihnen sagen, was er für sicher hält. Solche Herren geben sich nur keine Mühe bei den Verhandlungen vor dem Kauf, und Sie werden beim Rechtsanwalt voll einzahlen müssen die ganze Summe für dieselbe Hypothek, welche Sie durch einen Geschäftsmann können erhalten mit einem Vortheil von einigen Tausend.«
Da in der Seele des Freiherrn dieser Vortheil bereits die größte Wichtigkeit erlangt hatte, so faßte er in der Stille seinen Entschluß. Er wollte sehr vorsichtig sein, aber wo möglich lieber eine bereits vorhandene Hypothek kaufen, als durch seinen Rechtsfreund das Geld anlegen lassen. Und dem Händler sagte er: »Es eilt nicht; falls Sie etwas Passendes finden, benachrichtigen Sie mich.«
»Ich will mir Mühe geben,« sprach der Händler mit Zurückhaltung, »aber es wird am besten sein, wenn auch der Herr Baron bei diesem Geschäft Erkundigungen einziehen, denn ich mache sonst keine Geschäfte mit Hypotheken.«
Wenn diese Aeußerung auch nicht wahrhaftig war, so erfüllte sie doch ihren Zweck, denn die kühle Unschuld des Händlers steigerte das Zutrauen des Freiherrn zu ihm um ein Bedeutendes. Ehrenthal aber suchte eilig von dem Gute wegzukommen; er vernachlässigte diesmal die feinwolligen Sprungböcke, übersah das runde Aussehen der Sperlinge auf dem Dache und grollte seinem Kutscher, weil dieser zu langsam fuhr. »Wenn ich einer Schnecke binde die Zügel an ihre Hörner, so wird sie mich schneller fahren als Ihr,« zankte er ärgerlich und rückte auf seinem Sitze hin und her.
Der Kutscher peitschte verdrießlich die Pferde und warf grob über die Schultern zurück: »Wenn Sie Ihren Pferden mehr Hafer geben, werden sie mehr sein wie die Schnecken. Zwei Metzen Hafer, und er verlangt Galopp auf steinigem Wege!«
Der Freiherr fuhr am nächsten Tage nach der Stadt und ersuchte seinen Rechtsfreund, die nöthigen Anstalten zur Erwerbung einer Hypothek zu machen. Er verbarg ihm nicht, daß er dieselbe gern mit einigem Vortheil erhalten würde.
Der verständige Jurist rieth ihm dringend, auf solchen Vortheil zu verzichten, weil keine Aussicht sei, daß er eine sichere Anlage um weniger als den Nennwerth bewirken werde. Grade dieser Rath machte den Freiherrn nur noch mehr geneigt, sich beim Erwerb der Hypothek seinem eigenen Urtheil zu überlassen.
Einige Tage darauf meldete sich beim Baron ein starker großer Mann mit röthlichem, glänzendem Gesicht, ein Herr Pinkus aus der Hauptstadt. Der würdige Herbergsvater wurde in das Arbeitszimmer des Barons geführt und beeilte sich, sein Erscheinen zu entschuldigen. Er hatte gehört, daß der gnädige Herr Geld anzulegen wünschte, und wußte eine ausgezeichnet sichere, höchst empfehlenswerthe Hypothek von vierzigtausend Thalern auf eine große Herrschaft in der benachbarten Provinz, Eigenthum des reichen Grafen Zaminsky, der im Auslande lebte. Die Güter, auf welchen die Hypothek haftete, hatten alle möglichen Vortheile; es waren drei, vier Güter, es war eine Waldfläche dabei von mehr als zweitausend Morgen, und reiner Urwald war das nach den Schwüren des Berichterstatters. Vier Dörfer waren zu Spann- und Handarbeit verpflichtet, hundert Stellen in vier Dörfern hatten baares Geld an die Herrschaft zu zahlen, kurz es war eine Besitzung, welche dem größten Fürsten keine Schande gemacht hätte. Und diese Hypothek von vierzigtausend Thalern stand mit ihrem Pfandrecht gleich hinter den ersten hunderttausend Thalern. Hinter ihr waren noch fünf oder sechs kleinere, aber immerhin ansehnliche Capitalien eingetragen. Die Hypothek war gegenwärtig im Besitz des Grafen Zaminsky selbst. Er hatte dieselbe seinem Geschäftsträger zum Verkaufe cedirt. Und dieses vortreffliche Instrument war, wie Pinkus geheimnißvoll andeutete, möglicherweise für neunzig Procent, also für sechsunddreißig tausend Thaler zu haben. Es war unbequem, daß die Herrschaft in einer benachbarten Provinz lag, in welcher die Landwirthschaft noch viele alterthümliche Eigenheiten hatte. Aber die Grenze war höchstens zwei Meilen entfernt, die nächste Kreisstadt war durch die Chaussee mit der Welt verbunden, kurz es gab nichts, was nicht bei unbefangener Betrachtung an der Hypothek einnehmend erschienen wäre, und Pinkus würde sich nie entschlossen haben, einen solchen Schatz irgend einem fremden Käufer zu gönnen, wenn dieser nicht in so ausgezeichneter Weise alle Tugenden in seiner Person vereinigte, wie der Freiherr.
Der Gutsherr verhielt sich gegenüber diesen Anpreisungen würdig, wie einem Mann von Erfahrung geziemte. Vor seinem Abgange zog Pinkus ein dickes Actenbündel, welches das Document selbst vorstellte, aus einer Ledertasche hervor und legte dasselbe vertrauensvoll vor dem Freiherrn auf den Tisch, damit dieser mit Muße die Richtigkeit aller Angaben prüfen könne.