»Wenn dir's Spaß macht, Tony,« sagte Fink achselzuckend, »so will ich kommen. Ich sage dir aber im Voraus, daß ich unter allen Creaturen Büchereulen am wenigsten leiden kann. Es giebt kein Volk, welches selbstgefälliger über alles Mögliche aburtheilt, und keines, das sich thörichter benimmt, wenn es selbst etwas thun soll. Und vollends ein Sohn des würdigen Ehrenthal! Nimm mir's nicht übel, wenn ich Euch bald entlaufe.«

Bernhard saß erwartungsvoll auf dem Sopha Antons und sah mit Befangenheit der Ankunft des berühmten Mannes entgegen, über welchen manche Sage sogar in seine stille Studirstube gedrungen war. Als Fink eintrat und die tiefe Verbeugung Bernhards mit einem leichten Kopfnicken beantwortete, sich einen Stuhl zum Tisch zog und den schwachen Thee, den Bernhard so erbeten hatte, durch allerlei Zuthaten trinkbar zu machen suchte, da empfand Anton mit Betrübniß, daß diese Beiden schwerlich zu einander passen würden. Kein größerer Gegensatz war möglich, als ihr Wesen. Die magere durchsichtige Hand Bernhards und der kräftige Fleischton in den Muskeln Finks, die gedrückte Haltung des Einen, die elastische Kraft des Andern, dort ein faltiges Gesicht mit träumerischen Augen, hier stolze Züge mit einem Blick, der dem eines Adlers glich: das paßte nimmermehr zusammen. Doch ging es besser, als Anton gedacht hatte. Bernhard hörte mit Achtung zu, was der Jokei erzählte, und da Anton eifrig bemüht war, das Gespräch auf ein Gebiet zu bringen, wo auch Bernhard Theil nehmen konnte, blieb die Unterhaltung in Fluß.

»Fink hat auch Indianer gesehen,« sagte Anton zu Bernhard.

»Haben Sie etwas von ihren Liedern gehört?« frug der Gelehrte.

»Ich habe sie einige Male gehört. Möglich, daß klügere Leute etwas Erbauliches in ihrem Gesange finden, mir ist er nie anders vorgekommen, als kläglich. Schlagen Sie auf ein altes Buch und singen Sie dazu durch die Nase mit allerlei Nebentönen: »Tum, tum, te — ticke, ticke te, — Och, och, tum, tum, te,« so haben Sie ihren Gesang, der auf Deutsch ungefähr bedeuten würde: »Guter Geist, gieb Büffel, Büffel, Büffel. Dicke Büffel gieb uns, guter Geist.« — Seine Zuhörer lachten. — »Und wozu sollen diese Geschöpfe kunstvolle Lieder machen? Entweder sind sie auf der Jagd, oder sie suchen Scalpe, oder sie essen und schlafen, oder sie halten Parlamentsreden, wozu sie allerdings große Neigung haben.«

»Aber die Frauen?« frug Bernhard lächelnd.

»Wie es bei den mit der Poesie steht, weiß ich nicht, mir rochen sie immer zu sehr nach Fett. Freilich, wenn man nichts Anderes hat, gewöhnt man sich auch daran. Doch ist mit den Männern noch besser zu verkehren. So ein nackter Bursch auf seinem halbwilden Pferde ist kein übler Anblick.«

»Die erste Begegnung muß doch sehr imponiren, ihre auffallende Tracht und ihr stolzes Wesen,« warf Bernhard ein.

»Das kann ich nicht sagen,« versetzte Fink. »Vor Jahren machte ich mit meinem Onkel eine Reise nach der Agentur einer Pelzwaaren-Compagnie, bei der er betheiligt war. Als wir aus dem Dampfer an's Ufer stiegen, fanden wir am Landungsplatz eine Gesellschaft der röthlichen Herren, welche stark betrunken war. Ein langer Schlingel schritt auf meinen Onkel zu und hielt ihm eine Rede, die, wie der Dolmetsch erklärte, die Versicherung enthielt, daß sie sämmtlich große Krieger wären, und nach jedem Satze bellte die Bande ein lautes Hau, hau, das in ihrer Sprache so viel als ja bedeutet. Es war ein Trupp Schwarzfüße.«

»Es waren Sioux,« verbesserte Bernhard bescheiden.