»Arak,« sagte die Mutter.
»Es muß Rum sein, Fink trinkt keinen Arak im Thee.«
»Ich werde selbst gehen, Rum holen,« rief Ehrenthal, ergriff seinen Hut und lief mit der Flasche zum Nachbar Goldstein, dem Weinhändler.
Auf dem Wege sagte Anton zu Fink: »Es ist hübsch von dir, Fritz, daß du mitkommst. Bernhard wird eine große Freude darüber haben.«
»Der Mensch muß Opfer bringen,« erwiederte Fink. »Ich habe mir die Freiheit genommen, im Voraus zu Abend zu essen, denn ich habe einen Abscheu vor Gänsefett. Aber das schönste Mädchen der Stadt ist schon eine Entsagung werth. Ich habe sie neulich wieder im Concert gesehen, ein prachtvoller Leib. Und welche Augen! Ihr Vater, der alte Wucherer, hat nie einen Edelstein unter seinen Händen gehabt, der so funkelt.«
»Wir sind zu Bernhard eingeladen,« versetzte Anton mit leisem Vorwurf.
»Jedenfalls wird doch die Schwester zu sehen sein,« sagte Fink; »wo nicht, so zwingen wir ihn, sie vorzuführen.«
»Ich hoffe, sie wird unsichtbar bleiben,« seufzte Anton.
Die Thür öffnete sich, das Entrée war durch zwei prachtvolle Lampen erleuchtet, Bernhards Stube war festlich geschmückt. Eine große Blumenvase stand auf dem Tisch, daneben buntes Porcellan, vergoldete Löffel auf seidener Tischdecke, und ein großes Bund Imperiales von riesigem Format, wahre Stangen, die man ohne Stütze zwischen den Lippen nicht erhalten konnte. Auf dem Boden war ein neuer Teppich ausgebreitet, es war Alles sehr anständig. Und wie liebenswürdig war Bernhard als Wirth. Er machte den Thee. Er bat in rührender Hülflosigkeit Fink um Rath, wie viel Thee er einschütten solle, er drehte den Hahn so künstlich herum, daß lange Zeit gar nichts aus der Oeffnung floß, und dann wieder die Fluth nicht zu bändigen war. Erröthend scherzte er über seine eigene Ungeschicklichkeit, und seine Augen leuchteten vor Freude, als Fink entschied, der Thee sei vortrefflich. Eifrig bot er die Cigarren, andächtig hörte er die Belehrung, die ihm Fink über das schickliche Maß hielt, in welchem diese Erfindung menschlichen Scharfsinnes geformt werden müsse. Und ganz glücklich wurde er, da Anton endlich bat, dem Freund seine Bücherschätze zu zeigen, und da Fink über das Aussehen der fremden Buchstaben humoristische Glossen machte. Als gute Leute saßen die Drei zusammen und plauderten eine Stunde in bester Eintracht. Fink war in der menschenfreundlichsten Stimmung, und Anton bat die Götter im Stillen, die schöne Schwester nur heut von ihrem Tisch fern zu halten.