An einem Nachmittage brachte der Briefbote einen schwarzgesiegelten Brief an Finks Adresse. Fink öffnete den Brief und ging schweigend auf sein Zimmer. Als er nicht wieder herunterkam, eilte Anton besorgt zu ihm hinauf. Er fand Fink auf dem Sopha sitzend, den Kopf auf die Hand gestützt.

»Du hast eine traurige Nachricht erhalten?« frug Anton.

»Mein Oheim ist gestorben,« erwiederte Fink, »er, vielleicht der reichste Mann der Wallstreet in Newyork, ist auf einer Geschäftsreise mit der Maschine eines Missisippiboots in die Luft geflogen. Er war ein unzugänglicher Mann; mir hat er in seiner Art viel Güte erzeigt, und ich habe ihm als thörichtes Kind mit Undank vergolten. Dieser Gedanke macht mir seinen Tod bitter. Außerdem wird das Fact entscheidend für meine Zukunft.«

»Du willst fort von uns?« fiel Anton erschrocken ein.

»Ich werde morgen abreisen. Mein Vater ist zum Universalerben des Verstorbenen ernannt, mir hat dieser seinen Landbesitz in den westlichen Vereinsstaaten als Legat vermacht. Mein Oheim war ein großer Landspeculant, und es gilt jetzt schwierige und verworrene Verhältnisse zu lösen. Deßhalb will mein Vater, daß ich so schnell als möglich nach Newyork gehe, und auch ich merke, daß die persönliche Anwesenheit der Erben dort nöthig ist. Mein Vater hat auf einmal ein großes Zutrauen zu meiner Umsicht und Geschäftskenntniß bekommen. Lies selbst seinen Brief.«

Anton zögerte den Brief zu nehmen. »Lies, Anton,« sagte Fink mit trübem Lächeln, »in meiner Familie schreiben Vater und Sohn einander keine Geheimnisse.« Anton sah auf eine Stelle: »Die vortrefflichen Zeugnisse, welche Herr Schröter mir über deinen praktischen Sinn und deinen Scharfblick im Geschäft eingesendet hat, veranlassen mich, dich zu ersuchen, daß du selbst hinübergehst. Ich würde dir in diesem Fall Herrn Westlock aus unserem Geschäft zur Hülfe mitgeben.«

Anton legte den Brief schweigend auf den Tisch, und Fink frug: »Was sagst du zu dem Lob, welches mir der Prinzipal so freigebig ertheilt? Wie du weißt, habe ich einigen Grund, zu glauben, daß ich nicht in seiner Gunst stehe.«

»Und doch halte ich das Lob für gerecht und sein Urtheil für richtig,« erwiederte Anton.

»Gleichviel aus welchen Gründen es gegeben ist,« erwiederte Fink, »es entscheidet mein Schicksal. Ich werde jetzt, was ich mir lange gewünscht habe, Grundbesitzer jenseit des Wassers. — Auch wir müssen uns trennen, lieber Anton,« fuhr er fort und hielt dem Freunde die Hand hin, »ich habe nicht geglaubt, daß das so schnell kommen würde. Doch wir sehen uns wieder.«

»Vielleicht,« sagte Anton traurig und hielt die Hand des jungen Erben fest. »Jetzt aber geh zu Herrn Schröter, er hat das erste Anrecht, zu erfahren, daß du uns verlassen willst.«