Unterdeß ward Fink bei Sabine gemeldet. Sie kam ihm hastig entgegen, und ihre Wangen waren geröthet, als sie ihm sagte: »Mein Bruder hat mir gesagt, daß Sie uns verlassen müssen.«
Fink begann in lebhafter Bewegung: »Ich muß, ich kann aber nicht scheiden, ohne offen gegen Sie gewesen zu sein. Ich kam hierher ohne Interesse an dem stillen Leben, welches meinem zerstreuten Geist ungewohnt war; ich habe hier das Glück und die Innigkeit eines deutschen Haushalts kennen gelernt. Sie, mein Fräulein, habe ich immer als den guten Geist dieses Hauses verehrt. Sie haben mich bald nach meinem Eintritt in einer Entfernung zu halten gesucht, welche mir oft schmerzlich war. Ich komme, Ihnen jetzt zu sagen, wie sehr mein Blick und meine Seele an Ihnen gehangen hat; ich fühle, daß mein Leben glücklich sein würde, wenn ich Ihre Stimme immerfort hören, und wenn Ihr Geist den meinen begleiten könnte auf den Wegen meiner Zukunft.«
Sabine wurde sehr bleich und trat zurück. »Sprechen Sie nicht weiter, Herr von Fink,« sagte sie bittend und bewegte halb bewußtlos die Hand, als wollte sie abwehren, was ihr bevorstand.
»Lassen Sie mich ausreden,« fuhr Fink schnell fort; »ich würde es für mein höchstes Glück halten, wenn ich die Ueberzeugung mit mir nehmen könnte, daß auch ich Gnade vor Ihren Augen gefunden habe. Ich habe nicht die Anmaßung, Sie zu bitten, daß Sie mir jetzt folgen sollen in ein ungewisses Leben, aber geben Sie mir die Hoffnung, daß ich in einem Jahr zurückkehren und Sie bitten darf, mein Weib zu werden.«
»Kehren Sie nicht zurück,« sagte Sabine unbeweglich wie eine Statue mit kaum vernehmbarer Stimme; »ich beschwöre Sie, machen Sie diesem Gespräch ein Ende.«
Ihre Hand faßte krampfhaft die Lehne des nächsten Sessels, sie hielt sich daran fest und stand ohne einen Tropfen Blut in den Wangen vor dem Flehenden, aber sie sah ihn durch ihre Thränen unverwandt an, mit einem Blick so voll Schmerz und Zärtlichkeit, daß der wilde Mann ganz aufgelöst wurde und in der Sorge um ihre Bewegung all sein Selbstvertrauen, ja seine Werbung vergaß und nur die Absicht hatte, sie zu beruhigen.
»Ich fühle großes Bedauern, daß ich Sie so erschreckt habe,« sagte er; »verzeihen Sie mir, Sabine!« —
»Gehen Sie,« sagte Sabine noch unbeweglich mit rührender Bitte.