»Daß sie mich wohl leiden mag, glaube ich,« fuhr Fink fort, »ob sie mit mir geht, weiß ich nicht; dies wollen wir sogleich erfahren; ich gehe jetzt hinunter, sie zu fragen.«
Anton sprang zwischen seinen Freund und die Thür: »Noch einmal beschwöre ich dich, überlege, was du thun willst.« —
»Was ist da zu überlegen, du Kindskopf,« lachte Fink, aber eine ungewöhnliche Hast wurde in seinen Geberden sichtbar.
»Liebst du denn Fräulein Sabine?« frug Anton.
»Das ist wieder eine spießbürgerliche Frage,« versetzte Fink »Meinetwegen ja, ich liebe sie!« —
»Und du willst sie mitnehmen in die Ansiedelungen und Wälder?«
»Gerade deßhalb will ich sie heirathen; sie wird ein hochherziges starkes Weib sein, sie wird meinem Leben Halt und Adel geben. Sie ist nicht liebenswürdig, wenigstens ist nicht so bequem mit ihr zu plaudern wie mit mancher Andern, aber wenn ich mir ein Weib nehme, so brauche ich eins, das mich übersehen kann, und glaube mir, der Schwarzkopf ist dazu gemacht! Jetzt aber laß mich los, ich muß erfahren, wie ich daran bin.«
»Sprich nur erst mit dem Prinzipal,« rief Anton dem Stürmenden nach.
»Zuerst mit ihr,« sagte Fink und sprang die Treppe hinab.
Anton ging mit gefalteten Händen die Stube auf und ab; Alles, was Fink an Fräulein Sabine rühmte, hatte guten Grund, das fühlte er lebhaft; er wußte, daß sie ihn tief im Herzen trug, aber er ahnte auch, daß sein Freund mit unbekannten Hindernissen zu kämpfen habe. Und diese Hast, dies Ueberstürzen war ihm unheimlich, es war zu sehr gegen seine eigene Natur. Und noch etwas mißfiel ihm. Fink hatte nur von sich gesprochen, hatte er denn auch an das Glück des Fräuleins gedacht, hatte er auch Sinn dafür, was es sie kosten würde, den geliebten Bruder zu verlassen, aus der Heimath zu scheiden, sich in ein fremdes Volk, vielleicht in ein wildes Leben zu wagen? Ja, er war überzeugt, Fink war der Mann, alle Blüthen der neuen Welt vor ihre Füße zu streuen, aber er war auch unruhig, stets viel beschäftigt, würde er immer ein Herz haben für die Gefühle seiner deutschen Frau? Unwillkürlich nahm unser Held in Gedanken wieder Partei gegen seinen Freund; es schien ihm, als dürfe Sabine nicht fort aus der Handlung, er fühlte tief die Leere, welche entstehen würde, wenn sie verschwunden wäre, vom Mittagstisch, aus dem Haushalt, und vor Allem aus dem Leben ihres Bruders. So ging er unruhig und kummervoll auf und ab. Es wurde dunkel, aus den gegenüberliegenden Fenstern fiel ein matter Lichtschein in das finstere Zimmer, und immer noch kam Fink nicht zurück.